Donnerstag, 22. August 2019

Wie weit darf man für die Gerechtigkeit gehen? - "The Black Coats ... denn wir vergeben keine Schuld" von Colleen Oakes *Rezensionsexemplar ~Buch Rezension~

Cover- und Zitatrechte: Gulliver von BELTZ & Gelberg

☁ Autor/in: Colleen Oakes ☁ übersetzt: Friederike Levin ☁ illustriert: - ☁
☁ Verlag: Gulliver von Beltz & Gelberg ☁ Hardcover ☁ ISBN 978-3-407-78998-3 ☁
☁ 16,95 € [D] 15,99 € [ebook] ☁ 397 Seiten ☁ Einzelband ☁
☁ erschienen 08/2019 ☁ empfohlen ab 14 Jahren ☁


Inhalt

Nach dem gewaltsamen Tod ihrer Cousine ist Thea am Boden zerstört. Sie erhält eine Einladung der >>Black Coats<< einer Geheimorganisation von Frauen, die Gewalt durch Männer erfahren mussten und nun dagegen ankämpfen. Thea glaubt, mithilfe der Black Coasts auch den Mörder ihrer Cousine zur Rechenschaft zu ziehen. Doch kann Selbstjustiz gerecht sein? Wie weit ist Thea bereit, zu gehen?


Der erste Satz

 
 

„Robin Peterson entging nie, wenn ein Football-Spiel stattfand. Das Klinkerhaus ihrer Eltern war gleich bei der Schule, nur eine Wildblumenwiese lag zwischen ihrem Vorgarten und den Lichtern und dem Lärm der Grapeland-Highschool.“ - Erzähler

 
Seite 7




Zwischen den Seiten

Der Prolog der 1972 von Robins Geschichte erzählte hat mich geplättet, denn aus dem Nichts geschieht etwas Schreckliches, das sich vorher nicht angekündigt hatte. Anschließend macht die Handlung einen Zeitsprung in die Gegenwart zu Thea.



Zitat

 
 

„Wenn du irgendjemandem von den Black Coats erzählst - deinen Eltern, deinen Freunden, der örtlichen Polizei -, werden wir die zahlreichen Videoaufnahmen herausgeben, die wir von deinem unbefugten Eindringen in unser Gebäude - auch Einbruch genannt - gemacht haben und von deinem Angriff auf einen jungen Mann, der dich in keiner Weise provoziert hat. Wir sehen uns dann gezwungen, die Polizei einzuschalten, zu beweisen, dass du überall deine Fingerabdrücke hinterlassen hast und wie eine Einbrecherin gekleidet warst.“ - Nixon

Seite 41


Diese zwei Sätze beschreiben die Organisation der Black Coats und deren Methoden am besten. Diese Organisation wurde mir auch nicht sympathischer, je mehr ich mit ihnen zu tun hatte. Klar Gewalt gegen Frauen geht gar nicht, aber heiligt der Zweck wirklich die Mittel? Wer entscheidet, was gerecht ist? Wer kontrolliert die Rächer? Lebt es sich mit einer gesühnten Tat wirklich besser, wenn man selbst Gewalt anwenden musste?

Ich hatte mir vorgestellt, dass ich in diesem Buch mit meinen eigenen Ansichten von Gerechtigkeit auf eine Probe gestellt werde, dass mich die Einzelschicksale der Mädchen so gefangen nehmen, dass auch ich zerrissen werde. Das Konzept der Black Coats hat an meinem eigenen Bild nicht rütteln können. Mir war ihr Auftreten schwerfällig, klotzig, roh und vorhersehbar. Für mich war da keine gerissene, manipulative Faszination vorhanden. Ich meine die Verantwortlichen hätten viel mehr mit mir als Leserin spielen können. Mich mehr in die Struktur der Organisation reinziehen. Ich meine hier ein Spiel mit meinen eigenen Sinnen von Gerechtigkeit. Schließlich gibt es sie, die Geschichten, aus denen man hinterher verwirrt heraus geht, weil man festgestellt hat, dass man für eine gewisse Zeit, den falschen Leuten oder Werten vertraut hat. Das gelang den Black Coats allerdings nicht, weshalb ich ihr Vorgehen so offensichtlich sah, dass es eben klotzig und roh wirkte.

Der Fall eines der Mädchen passt auch nicht ins Black Coats Konzept. Doch dieser Fall oder später das Balancing wäre der perfekte Start gewesen, die Beweggründe viel energischer zu hinterfragen.


Zitat

 
 

„Aber ... ich bin doch hierher eingeladen worden! Ich habe nur Anweisungen befolgt!“ - Thea Seite 41


Bereits hier hätte Thea im besten Fall ein Licht aufgehen können. Stattdessen macht sie munter weiter, mit dem blinden Vertrauen dieser Gemeinschaft gegenüber. Dabei kommt dieses Vertrauen aus dem Nichts heraus und dauert ziemlich lang.

Thea entwickelt ihrem Team gegenüber eine Verantwortung und die Mädchen als Gruppe mochte ich gerne.

Vielleicht resultieren Schwierigkeiten mit Thea aus dem schnellen Start der Handlung. Wenn sie nach und nach erst mit den Black Coats in Berührung gekommen wäre, hätte ich es natürlicher empfunden.

Zur gleichen Zeit lernt Thea Drew kennen und Drew wurde bald mein Lieblingsprotagonist. Die Ansichten, die er vertritt, decken sich mit meinen. Drew ist lustig und er feiert das Leben und hat nicht nur mir gutgetan. Ich mochte Thea am liebsten, wenn sie mit ihm Zeit verbracht hat und sich auf ihn eingelassen konnte.

Der Schreibstil hält sich ein bisschen auf Abstand, weshalb vor allem die intensiven Szenen so unerwartet drastisch wirken. Das Buch liest sich schnell. Bestimmt auch, weil ich wissen wollte, wie sich alles auflösen wird. Der Prolog hat mich gecatcht, wegen seinem „schnellen auf dem Punkt kommen“ und von dieser Spannung, die mich dort gepackt hat, war dann plötzlich auch wieder etwas im Epilog zu spüren.

Fazit

„The Black Coats ... denn wir vergeben keine Schuld“ hat mir in einigen Punkten nicht gefallen. Eigentlich ist es sinnvoll, dass sich Skepsis gegenüber der Organisation bildet, doch hier war ich keinen Moment von ihr angetan. Thea war mir auch nur in ihrer Gruppe und mit Drew zusammen sympathisch. Einzeln hat mich ihre Leichtgläubigkeit gestört. Ich dachte, vielleicht hin und hergerissen zu sein was ist Gerechtigkeit und ab wann ist es nur noch sture Selbstjustiz. Doch ich kam nicht ins Wanken, weil die Organisation nicht charmant und umgarnend daher kam. 3 Sterne.



*Vielen Dank an den Gulliver - Beltz & Gelberg Verlag, für das bereitgestellte Rezensionsexemplar


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© Cover-/Zitatrechte: liegen bei den einzelnen Verlagen und/oder Autoren
© Cindy Raschdorff kumosbuchwolke.de

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