Sonntag, 3. Dezember 2017

~Buch Rezension~ "Träume, die ich uns stehle" von Lily Oliver

Cover- und Zitatrechte: Knaur Verlag

Inhalt

"Such in Träumen niemals nach der Wahrheit

Lara weiß nach einem schweren Unfall nicht mehr, wer sie ist und woher sie kommt. Aber als sie im Krankenhaus auf den Studenten Thomas trifft, fühlt sie sich erstmals seit langem geborgen. Thomas hört ihr zu, wenn sie versucht, ihre Erinnerungen zu sortieren. So beginnt sie, ihm eine Geschichte zu erzählen, aus der bald eine Liebesgeschichte zwischen ihr und ihm wird. Eine Liebe, die vielleicht für immer ein Traum bleiben muss, denn Thomas liegt im Koma…“ – Quelle Klappentext


Der erste Satz...

 
 

Ich erzähle schon lange keine Geschichten mehr. Seit sie es mir verboten hat.“ - Lara

 
Seite 7

















Zwischen den Seiten

Es rumort noch in meinem Bauch, die Geschichte von Lara und Thomas ist nicht leicht verdaulich, sie hat mich mitgenommen, mich angefressen.


Am Samstag habe ich sie begonnen, heute am Sonntag bin ich fertig geworden. Ca. 200 Seiten pro Tag, ein Klacks, vielleicht auch zu viel auf einmal. Vielleicht hätte ich mir Zeit nehmen sollen. Lara und Thomas hatten einen schweren
Unfall, er ist so schwer verletzt, dass er im Koma liegt. Lara hat Erinnerungslücken, sie weiß nicht mehr, was an dem Abend geschehen ist. Heilung braucht Zeit, manchmal braucht Lesen die auch.

Aber ich konnte mich auch nicht bremsen, ich wollte vorankommen, die im Nebel versteckten Geheimnisse erfahren. „Träume, die ich uns stehe“ von Lily Oliver ist mein erstes Buch von ihr gewesen. Hinter diesem Namen steckt auch
Alana Falk, die mir vor allem mit ihren Jugendbüchern ein Begriff ist, von denen ich aber noch keines gelesen habe.

„Träume, die ich uns stehle“ ist kein Jugendbuch, es ist eine dramatische Liebesgeschichte, um die Liebe selbst, aber vor allem für das Leben und die Heilung.

Lara, ist 19 Jahre alt, so richtig fühlt sich diese Zahl aber nicht an, sie ahnt, dass sie bereits etwas älter ist, nur fehlen ihr die Beweise, ihre Erinnerungen. Es ist zwei Wochen her, dass Lara den Unfall hatte und seit dem ist sie in der Klinik und hat regelmäßige Sprechstunden bei Martin ihren Psychotherapeuten. Martin ist ein hilfsbereiter Mann, der ihr bestimmt, aber sanft helfen möchte, sich zu erinnern. Er strahlt Ruhe aus und er weiß, dass es für Lara ein weiter Weg ist, denn ihr Zustand hat weit zurückliegende Ursachen und die müssen alle Stück für Stück ans Licht befördert werden.

Lara versteht ihn nicht, fühlt sich anfangs überfordert, sie möchte nur reden, am Liebsten über den Unfall. Wie die Lava in einem Vulkan brodeln Worte in ihr viele Worte, die oft unkontrolliert überkochen und überschwappen. Dagegen wehren und sie zurückhalten, fällt Lara unheimlich schwer. Sie weiß aber sehr wohl, dass andere Menschen nicht mit ihrer Sprachwut klarkommen und sie deshalb merkwürdig anschauen oder vor ihr weglaufen.

Wie Lara sich und ihre Umwelt wahrnimmt, zeigt, dass sie Humor hat und das verleiht ihrer Geschichte oft auch eine Leichtigkeit und Momente, in denen man lachen darf.

Ein Zufall führt Lara auf die Intensivstation, ein weiterer führt sie in das Zimmer von Thomas, der dort im Koma liegt. Lebendige Ohren, die ihr zuhören können, ohne dass der Körper davonlaufen kann.

Eigentlich ist es tragisch, aber so betrachtet, kann man auch schmunzeln und genau das erreicht Lily Oliver oft. Lachen ist erlaubt. Lara beginnt Thomas einfach etwas zu erzählen und der fremde Mann reagiert, darauf, nicht etwa das er sofort die Augen aufschlägt, das wäre zu viel, nein seine Herzfrequenz steigt an, sobald Lara mit ihm spricht. Nur darf Lara ja eigentlich nicht, bei einem Fremden sein, sie macht es zunächst heimlich und immer mehr und mehr baut sich da eine Beziehung zwischen den beiden auf. Denn Lily Oliver gibt auch Thomas eine Stimme, sodas er eigene Kapitel erhält und ein eigenes Gefühlsleben.

Das ist das Besondere an „Träume, die ich uns stehle“, ich stehle es mir schwer vor, einem Komapatienten eine Stimme zu geben, aber bei Thomas funktioniert es. Es ist klar, dass er in seiner Bewegung stark eingeschränkt ist, allerdings reagiert er in seinem Bewusstsein auf Lara.

Lily Oliver spielt gekonnt mit der Sprache und mit den Geschichten, die Wahrheiten die Lara und nach und nach erkennt, möchte man annehmen. Was die beiden Figuren Lara und Thomas nur noch mehr Intensität verleiht. Kann da wirklich Liebe sein?

Auf der anderen Seite muss man sich auch mit dem Tod auseinandersetzen. Thomas hat keine Patientenverfügung für den Fall, dass er im Koma liegt, die Entscheidung darüber, was er wollen würde, liegt bei seiner Familie. Eine schwere Entscheidung.

Der Handlungsort bleibt die Klinik und bezieht auch das Personal mit ein, Thomas Ärztin, die Physiotherapeutin Silke, der Intensivstationspfleger Till. All diese Figuren tragen die Geschichte gemeinsam mit Lara und Thomas und werden zu einer Stütze.

„Träume, die ich uns stehle“ berührt und ergreift, denn Laras Geschichten fühlen sich nach echter Realität an und beinahe wünscht man sich das es, ein Happyend gibt, denn es kann ja nur diese Wahrheiten geben oder? Auch wenn da Ungereimtheiten entstehen und es sich nur schwer ertragen lässt, zu vermuten, dass Thomas nicht frei von Fehlern ist.

Es ist leicht sich sofort mit Lara zu identifizieren, da sie die Haupterzählerin ist und sich weiterentwickelt, auch für Thomas gibt es Sympathie und der dringende Wunsch, dass es ihm bald besser geht und er gesund werden kann.

Diese schwere Frage behandelt Lily Oliver behutsam und führt Laras und Thomas Geschichte zu einem Ende, das sich für mich realistisch anfühlt und das zum Glück auch weiterhin von frei von Kitsch bleibt.

Fazit

Das Gelesene von „Träume, die ich uns stehle“ in Worte zu fassen ist nicht leicht, ohne vielleicht zu viel zu verraten. Das Schicksal von Lara und Thomas berührt, nicht zuletzt ist es ihre ungewöhnliche Verbundenheit, die sich so intensiv anfühlt. Zum Glück wird das dramatische Schicksal der beiden, immer wieder durch lockere Momente begleitet, in denen man lachen kann. Was bleibt, ist die Hoffnung ob Lara und Thomas es schaffen, gesund zu werden, egal was das heißt. Das Ende kommt zum Glück ohne Kitsch aus und bleibt realistisch. Heilung braucht Zeit, es ist schwer das Buch nicht in einem Zug durchzulesen, sich hier Zeit zu gönnen, kann nicht aber auch nicht schaden. 5 Sterne.


Vielen Dank an Alana Falk/Lily Oliver für das Rezensionsexemplar.


weitere Bücher von Lily Oliver

Die Tage, die ich dir verspreche
___________________________________________________
© Cover-/Zitatrechte: liegen bei den einzelnen Verlagen und/oder Autoren
© Cindy Raschdorff kumosbuchwolke.blogspot.de

Kommentare:

  1. Huhu Cindy,

    ich glaube das Buch ist eine tolle Geschichte um sie in der Vorweihnachtszeit zu lesen und es wird wohl mein übernächstes Buch. Du machst mir auf jeden Fall große Lust auf diese schöne Geschichte. Vielen Dank für deine tolle Rezi :-*

    Liebe Grüße
    Sandra

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo liebe Sandra,

      das Buch ist schön und traurig zugleich, wenn du so etwas in der Vorweihnachtszeit magst, dann ist es das richtige Buch für dich. ;) Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen.
      Liebe Grüße Cindy

      Löschen
  2. Hallo Cindy,

    schön, dass dir das Buch gefallen hat. So ganz mein Lesegeschmack (wie du ja weißt) ist es nicht ;)

    Liebe Grüße,
    Uwe

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo lieber Uwe,

      ja ich weiß, so ganz ist es nicht deines. ;) Aber wie gut, das Alana auch Geschichten schreibt, die dir gefallen. Es ist schön, wenn Autorinnen und Autoren so vielseitig sind. :)
      Liebe Grüße Cindy

      Löschen

Hast Du ein Lob, eine Anregung oder vielleicht eine konstruktive Kritik für mich? Ich freue mich, wenn du mir dazu ein Kommentar hinterlässt.