Mittwoch, 3. Mai 2017

~Buch Rezension~ "Dazwischen: ich" von Julya Rabinowich

Cover- und Zitatrechte: Hanser Verlag

Inhalt

„Ein Flüchtlingsmädchen zwischen Tradition und Aufbruch, zwischen Familie und neuen Freundschaften – Julya Rabinowichs bewegendes Jugendbuchdebüt.
Das Los der 15-jährigen Madina teilen viele Flüchtlingskinder: Sie alle sind Brückenbauer zwischen ihren Familien und dem neuen Leben in der westlichen Welt. Nach einer beschwerlichen Flucht vor dem Krieg in ihrer Heimat ist Madina endlich angekommen, in einem Land, das Sicherheit verspricht. Doch nicht allen in ihrer Familie fällt es leicht, Fuß zu fassen. Und so ist es an Madina, Mittlerin zu sein zwischen ihrer Familie im Flüchtlingsheim und dem unbekannten Leben außerhalb. Sie nimmt das Schicksal ihrer Familie in die Hand und findet in Laura eine Freundin, die für sie in der Fremde Heimat bedeutet. Eine bewegende Geschichte über Freundschaft, Migration und das Erwachsenwerden in Zeiten von Krieg und Verfolgung – authentisch erzählt.“ – Quelle Klappentext




Der erste Satz...

 
 

„Wo ich herkomme? Das ist egal. Es könnte überall sein.“ - Madina

 
Seite 7



Zwischen den Seiten

Die Familie von Madina musste fliehen, weil ihr Leben durch den Krieg akut in Gefahr gewesen ist. Nach einer langen, gefährlichen, beschwerlichen Reise sind sie in einem sicheren Land angekommen.

Trotz aller Freude und Euphorie ist es ihnen nicht möglich, sofort mit dem neuen Leben anzufangen, sie benötigen erst eine Genehmigung, um dauerhaft bleiben zu können.

Das Warten darauf zermürbt vor allem Madinas Vater, da er sich für seine Familie verantwortlich fühlt. Nur Madina darf täglich zur Schule. Sie hat einen geregelten Tagesablauf, Kontakt zu anderen Menschen, auch wenn sie oft auf Vorurteile stößt, findet sie eine Freundin, die ihr beisteht. Darüber hinaus gibt es noch weitere Menschen, denen Madina am Herzen liegt. Madina wird in der
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neuen Sprache immer besser und begleitet ihren Vater zu Amtsterminen und übersetzt.


Madina besitzt ein unglaubliches Feingefühl für die Stimmungen ihrer Mitmenschen und einen überraschenden Humor. Sie hält ihre Erlebnisse und Gefühle in ihrem Tagebuch fest. Ich hatte viel mehr drückende Emotionen erwartet aufgrund der traumatischen Erlebnisse, die sie machen musste. Doch die Freude am Leben überwiegt. Madina hat mich tief berührt und sie hat mir die Augen geöffnet, sie zeigt an welchen Punkten die Kultur ihrer Familie und Heimat, mit denen der neuen Heimat kollidieren können. Manchmal ist es ein richtiger Balanceakt. Mit einigen Entscheidungen, die aufs Ende hinauslaufen, habe ich mich schwergetan, dennoch bin ich mit einem guten, nachdenklichen Gefühl aus dem Buch gegangen.

Lesespaß

"Dazwischen: ich" hat mich nach nur wenigen Seiten gepackt und mir die Augen für die Sorgen, Wünsche und Ängste von Madina und ihrer Familie geöffnet. Es gelingt der Autorin mit großen Feingefühl, kindlichem Humor und Leichtigkeit durch die Handlung.

Madina setzt sich Stück für Stück mit ihren zwei Welten, der Strenge ihres Vaters und die Freiheiten, die sie durch Laura kennenlernt. So würde sie zum Beispiel nicht jeden Jungen küssen, den sie nett findet, allerdings was sollte verkehrt daran sein, eines Tages ihren Ehemann selbst zuwählen. An anderer Stelle versteht sie die nicht, weshalb sie nicht bei ihrer Freundin übernachten darf. Sie setzt bewusst auf Vertrauen, ihr Vater bereitet das Schwierigkeiten und das führt zu Konflikten, denen ich ergriffen gefolgt bin und doch ganz klar Stellung für Madina bezogen habe.

Fazit

Wie es ist seine Heimat verlassen zu müssen, weil man sonst um sein Leben fürchten muss und in einem fremden von vorne anfangen, davon weiß ich nichts. Ich finde "Dazwischen: ich" schafft verstehen, wie sich eine Familie dabei fühlen kann. Es sensibilisiert ohne Vorurteile hinzuschauen, Rücksicht zu nehmen, vor allem von Kind zu Kind. Mir hat die Stimme von Madina sehr gefallen, denn sie ist mutig, herzlich und hat Witz zwischen den Zeilen gelegt, was das ernste Thema mit einer angenehmen Leichtigkeit versieht. 5 Sterne.


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© Cover-/Zitatrechte: liegen bei den einzelnen Verlagen und/oder Autoren
© Cindy Raschdorff kumosbuchwolke.blogspot.de

1 Kommentar:

  1. Huhu!

    Ich habe dieses Buch mit meiner Leserunde hier vor Ort gelesen, ich hätte es sonst wahrscheinlich nicht am Radar gehabt ... Für meinen Geschmack hat das Buch aber sein Potenzial nicht voll ausgeschöpft. Da wäre vor allem im Zusammenhang "Wie geht das Umfeld mit den Flüchtlingen um" noch deutlich mehr drin gewesen. Auch fand ich es merkwürdig, dass die Autorin das Thema Sex schon ziemlich stark ausklammert. Dass Madina mit Jungs vielleicht nicht so viel am Hut hat, okay, aber ihre Freundin ist da eigentlich auch ziemlich zurückhaltend. Und als Freundin sollte Madina doch vielleicht etwas mehr mitbekommen? Wie auch immer: Es ist bestimmt ein guter und wichtiger Beitrag zur Flüchtlingsproblematik, aber man hätte aus dem Buch noch mehr machen können ...

    Liebe Grüße
    Marie

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