Dienstag, 18. Oktober 2016

Rezension zu "Saeculum" von Ursula Poznanski

© Cover- und Zitatrechte: Loewe Verlag

Inhalt

Als Bastian Sandra kennenlernt, sind Mittelaltermärkte Neuland für ihn, doch an Sandras Seite ist er bereit in ihre Welt abzutauchen und er lässt sich von ihr überreden, sie einige Tage in eine verlassene, ursprüngliche Welt für ein Rollenspiel Abenteuer zu begleiten. Frische Luft und versprochene Abenteuer sind für den lerngestressten Medizinstudenten eine willkommene Abwechslung. Die ersten Stunden der des ungewöhnlichen Ausfluges gefallen ihm. Doch als der erste Mitspieler verschwindet, geheimnisvolle Botschaften auftauchen und die ersten Mitspieler die Zeichen eines Jahrhunderte alten Fluchs deuten, spitzt sich die Lage zu.



Der zufällige Satz...

 
 

'Es gibt keine merkwürdigen Gegenden' sagte sie. 'Es gibt nur merkwürdige Menschen.'
 
Seite 68



Zwischen den Seiten

Rollenspiele, die sich an ein authentisches Leben im Mittelalter orientieren, sind nicht nur für Protagonisten Bastian spannendes unbekanntes Terrain, sondern
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auch für mich.


Am Anfang kommt Bastian wie ein Musterschüler rüber, sehr kontrolliert und besessen darauf ein gutes Studium abzulegen. Doch in ihm steckt auch eine offene abenteuerliche Seite. Er hat eine schnelle Auffassungsgabe und was mir an ihm besonders gut gefallen hat, dass er den anderen Charakteren immer wieder ohne Vorurteile begegnet. Auch wenn der weitere Verlauf es ihn nicht leicht macht, so hat er immer einer einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Neben Bastian begleiten wir Leser im Wechsel, Iris einer weiteren Teilnehmerin der Saeculum-Convention.

Iris ist ein paar Jahre jünger als Bastian, aber schon von Anfang an in der Mittelalterszene unterwegs. Auf den Märkten verdient sie sich mit ihrem Harfenspiel etwas dazu. Iris wirkt sehr vorsichtig und zwischenzeitlich gehetzt. Was sie in die Flucht treibt und was sie verbirgt erfahren die Leser und Bastian im Verlauf.

Gemeinsam mit dem Organisationsleiter versuchen die beiden an den gesunden Verstand der Saeculum Mitglieder zu appellieren, als das Mittelalter Abenteuer zu einem gefährlichen Trip zu werden droht.

Lesespaß

Autorin Ursula Poznanski hat es mir mit ihrem spannenden, leichten Schreibstil leicht gemacht, mich in "Saeculum" zurechtzufinden. Gerade der Wechsel zwischen Bastian und Iris hat der Spannung gut getan. Obwohl es nur wenige Tage sind, die die gesamte Gruppe im Wald verbringen, hat sich ihre Annäherung zueinander nicht übereilt angefühlt.

Das Leben wie im 14. Jahrhundert ohne Strom, fließendes Wasser oder Toiletten ist für moderne Menschen eine richtige Herausforderung und das hat Bastian stellvertretende gezeigt, zumal er als Brillenträger auch auf dieses Hilfsmittel verzichten muss.

Die Tage der Convention sollten voller Abenteuer sein, das Gelände auf denen die Gruppe campiert ist optimal geeignet. Besonders ein Jahrhundert alter Fluch hat es Doro, der Hexe ohnehin angetan. Schon beim Antritt der Reise warnt sie die Gruppe aufgrund des Fluchs, und als dann die ersten Mitglieder spurlos verschwinden oder das Essen verdorben ist, sieht sie sich in ihrer bösen Vorahnung bestätigt. Ihr Verhalten nimmt immer groteskere Züge an. Ihre Forderungen immer wahnsinniger.

Ungefähr an diesem Zeitpunkt begann "Saeculum" schleppend zu werden, ich war nicht bereit an Übersinnliches zu glauben und an Zufälle schon gar nicht, mich hat das blinde Verhalten sogar sauer gemacht. Allerdings war es auch erschreckend zu sehen, wie schnell manche Menschen zu extremen Mitteln bereit sind, wenn sie von purer Angst beherrscht werden.

Da wünscht man sich nie selbst in so einer Situation zu geraten, da man sich nicht vorstellen möchte, zu welcher Gruppe man selbst zählt.

Da ich nicht bereit gewesen bin, von meinem Glauben abzulassen, habe ich irgendwann das Muster erkannt und war etwas von der Auflösung enttäuscht. Hier hat "Saeculum" an Spannung eingebüßt.

Fazit

"Saeculum" zeichnet sich durch einen tollen Schreibstil aus und punktet mit Charaktere, die ich entweder voll mögen oder über die ich nur den Kopf schütteln konnte. Autorin Ursula Poznanski zeigt, wie unfassbar gehirnlos sich Menschen verhalten können, wenn sie sich in Extremsituationen befinden, und macht nachdenklich. Leider war ich nicht bereit einige Charakterschwächen der Figuren zu verzeihen, vor allem weil sie sich am Ende bei einigen Figuren noch nicht mal erkannt worden. Außerdem empfand ich die Spurensuche im Mittelteil irgendwann als schleppend in die Länge gezogen und gebe deshalb 4 Sterne.

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© Cover-/Zitatrechte: liegen bei den einzelnen Verlagen und/oder Autoren
© Cindy Raschdorff kumosbuchwolke.blogspot.de

Kommentare:

  1. Hey Cindy,

    wuhu - du hast das Buch endlich vom SuB befreit, bei mir liegt es da ja weiterhin, aber mal sehen, was das Jahr noch so passiert. Deine Rezension macht mich neugierig, trotz oder gerade wegen der Kritikpunkte. Die Geschichte klingt wirklich so interessant und wenn man selber auch überlegt, wie man reagieren würde in so einer Situation, dann macht das Buch ja was mit einem.

    Danke für die Einblicke!

    Alles Liebe,
    Anna

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    1. Hallo Anna,

      ja die SuB Voting Aktion hat da tatsächlich etwas gebracht. :) Ich bin gespannt, was du sagen wirst, sobald du es gelesen hast.

      Liebe Grüße Cindy

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  2. Ich hab das Buch auch gelesen und fand es auch sehr erschreckend, wie manche Menschen handeln. Aber ansonsten fand ich das Buch sehr interessant.

    Liebe Grüße und einen guten Rutsch ins neue Jahr,
    Caro

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