Montag, 13. Juni 2016

Dystopie aus den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts – Rezension zu „Obernewtyn“ von Isobelle Carmody

© Cover- und Zitatrechte: Papierverzierer

Inhalt



‚Die große Weiße‘ bezeichnet die Zeit der atomaren Massenvernichtung. Die Strahlen, die vom Himmel herunter regneten, löschten die Städte der Erde beinahe aus und sorgten für Tod und Wahnsinn. Nur die Menschen, die auf abgelegenen Landgütern und Höfen lebten, wurden weitestgehend von den Strahlen verschont. Sie sahen die Städtevernichtung aus der Ferne. Diese Menschen verteidigten, ohne Rücksicht auf Verluste, ihr Land und ihre Familien gegenüber den Flüchtenden aus den Städten. Diese Zeit stürzte die Welt ins Chaos und ging in die Geschichtsbücher als die ‚Zeit des Chaos‘ ein. Das Chaos versiegte, als der Strom der Städter allmählich nachließ. Die mächtigsten Bauern unter ihnen gründeten einen Rat um die Gemeinschaft weiterhin zu schützen. Die wenigen Städter, welche die Vernichtung überlebten und aufs Land flüchten konnten, schworen dem Rat der Bauern ihre Treue und erhielten im Gegenzug Arbeit und Schutz. Damit kehrte der Frieden auf Erden zurück.

Doch schon bald merkten die Menschen, dass die Auswirkungen der ‚großen Weißen‘ auch an ihnen nicht vollkommen spurlos vorüberging. Es kam immer mal wieder vor, dass Menschen oder Tiere mit Mutationen geboren wurden. Diese Wesen galt es aus der Gemeinschaft auszuschließen, weil man nun jedoch verhindern wollte, dass die stetig wachsende Zahl der Ermordungen für neue Unruhen sorgten, kleidete der Rat diese Tötungen in den Deckmantel der Religion. ‚Der Kreis der Hirten‘ ein aufstrebender religiöser Orden übernahm die Aufgaben der rituellen Verbrennungen und schon bald darauf, verschwammen die Grenzen des Rates mit denen des Ordens. Die neue Weltordnung verbannte alles aus der Zeit vor ‚Der großen Weißen‘ was sich vor allem auf Technik und Bücher bezog und predigte, das der Weg der Bauern, der einzige ehrbare Lebenszweck wäre. Wer sich dagegen auflehnte, wurde als Aufwiegler gebrandmarkt und getötet. Eine neue Welle von Anschuldigungen und Verdächtigungen griff um sich und immer mehr Kinder wurden zu Waisen. Man brachte die Waisen zu den Höfen und ließ sie schwere Arbeiten verrichten, wer als Waisenkind aufwuchs, befand sich auf der untersten Stufe der Gesellschaft und war nichts wert.

Elspeth Gordie wächst in einem Waisenhaus auf und führt ein entbehrungsreiches Leben. Doch es ist nicht genug, dass ihre Eltern einst, als Aufwiegler getötet wurden, Elspeth spürt Kräfte in sich, die sie zu einer Abweichlerin machen. Sie kann unter anderem zu Tieren eine Verbindung aufnehmen. Ein alter Kater wird in ihrer Waisenunterkunft zu ihrem treuen Freund. Nach dem sie als Abweichlerin enttarnt wird, wird sie auf den fernen und geheimnisvollen Hof ‚Obernewtyn‘ gebracht. Hier gehen seltsame Dinge vor sich. Obernewtyn erweckt den Anschein vom Rat und dessen Regeln unabhängig zu sein. Welches Ziel verfolgen die Herren dieses Ortes? Elspeth gelingt es nicht ihre Neugier zu zähmen und so gerät sie in Gefahr.




Der erste Satz...

 
 

„In den Tagen nach der Massenvernichtung, die als Große Weiße bekannt wurde, herrschten Tod und Wahnsinn.“
 
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Meinung

„Obernewtyn“ ist eine 7-teilige Reihe der australischen Autorin Isobelle Carmody und hat in Australien viele Anhänger und Fans. Der erste Band dieser Reihe erschien 1987 und darin liegt wohl die Idee zu der atomaren Massenvernichtung. 

Denn in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es das Wettrüsten der Amerikaner und der Russen und im Allgemeinen die Angst vor
Atombomben. Viele Dystopien die sich mit Welten nach einer Katastrophe und neuen Ordnungen beschäftigen, habe ich bislang noch nicht gelesen. Ich glaube bis jetzt, habe ich nur „Die Tribute von Panem“ gelesen, allerdings weiß, ich wie vielfältig und beliebt Dystopien im Jugendbuchbereich sind. Ich finde, man merkt „Obernewtyn“ das Alter nicht an und hätte ich mich nicht gewundert, dass Band 1 bereits in den 80er Jahren erschien, hätte ich es für topaktuell gehalten.
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Mir hat die Erklärung zu Beginn des Romans, über die Katastrophe, deren Auswirkungen und der neuen Weltordnung sehr gut gefallen. Somit konnte ich mich in Elspeth Welt orientieren. Elspeth Gordie ist die Ich-Erzählerin, anfangs hatten wir Schwierigkeiten miteinander warm zu werden, mir kamen ihre Schilderungen distanziert vor, als betrachte sie sich selbst, aus der Perspektive eines Vogels, dabei hat das mehr mit ihrer Vorsicht zu tun, nicht entdeckt zu werden. Elspeth ist eine junge Frau mit einem goldenen Herzen unter ihrer harten Schale und es gelingt ihr selten, zu verbergen, dass andere Menschen ihr wichtig sind. In Obernewtyn findet Elspeth in Matthias und Dameon Freunde und Gleichgesinnte. Obernewtyn ist außerdem ein Ort an dem merkwürdiges vor sich geht und so sehr Elspeth es auch nicht möchte, sie ist neugierig und ihre Neugier lässt sie Dinge erfahren, die sie in Gefahr bringen.

„Manchmal hab ich Angst um Menschen wie euch, die alles herausfinden wollen. Aber es hat ja keinen Zweck, euch zu warnen, dass es gefährlich ist, so was herauszufinden. Menschen wie ihr graben und jagen und schnüffeln, bis sie eines Tages herausfinden, dass das, was sie suchen, auch auf sie wartet.“ – Damoen Seite 327 Kapitel 13 – ibooks

Eigentlich ist Elspeth vorsichtig, da sie weiß, dass sie in ihrer Welt niemanden trauen kann, hinter jedem kann ein Freund des Rates stecken oder der Hirten. Die Willkür mit denen diese Menschen vorgehen ist erschreckend, predigen sie doch, dass nach Macht streben, keine gute Eigenschaft ist. Allerdings glaube ich nicht, dass ihnen diese Doppelmoral wichtig ist. In Obernewtyn gibt es neben Elspeth weitere Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und gerade zwei junge Frauen, die Elspeth mag, müssen darunter sehr leiden.

‚Obernewtyn‘ liest sich gut und ist spannend geschrieben, leider hat der erste Band nur 273 Seiten und wann der Papierverzierer Verlag die weiteren Bände in Deutschland veröffentlichen wird, ist mir nicht bekannt. Viel mehr lässt sich nämlich nicht zu ‚Obernewtyn‘ schreiben, ohne dabei zu viel zu verraten. Dieser Band hat zwar einen passenden Schluss, doch werden nicht alle Fragen beantwortet.

Fazit

‚Obernewtyn‘ hat mich überrascht, denn als der Verlag anfragte, ob ich dieses Buch lesen und rezensieren möchte, war ich mir nicht sicher, ob mir die Geschichte gefallen wird. Sie gefällt mir und ich hätte nicht erwartet, dass „Obernewtyn“ das erste Mal in seiner Heimat, Australien, 1987 veröffentlicht wurde. Seit dem gibt es eine große Fangemeinschaft um Elspeth Gordie und ihre Mitstreiter. Diese Dystopie hätte auch vor wenigen Jahren geschrieben worden sein. Sie ist spannend erzählt, mit leichtem Einstieg in ihre Welt und macht Lust auf weitere in Deutsch veröffentlichte Bände. Wer also Dystopien gerne liest, sollte ruhig mal zu „Obernewtyn“ greifen, mich interessiert, was erfahrene Leser hierzu sagen. Für mich gibt es 5 Sterne.


Die Obernewtyn Reihe im Überblick

Obernewtyn Band 1 - bereits erschienen - deutsch
The Farseekers Band 2 - bereits erschienen - englisch
Ashling Band 3 - bereits erschienen - englisch
The Keeping Place Band 4 - bereits erschienen - englisch
Wavesong Band 5 - bereits erschienen - englisch
The Stone Key Band 6 - bereits erschienen - englisch
The Sending Band 7 - bereits erschienenen - englisch
The Red Queen Band 8 - bereits erschienen - englisch

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© Coverrechte: liegen bei den einzelnen Verlagen und/oder Autoren
© Cindy Raschdorff kumosbuchwolke.blogspot.de

Kommentare:

  1. Hallo Cindy!

    Das hört sich auf jeden Fall spannend an, aber ich hätte da schon wieder Angst, dass die Folgebände nicht übersetzt werden, falls der erste Teil nicht so ankommt bei uns, wie sich das der Verlag wünscht ... Deshalb warte ich bei solchen Reihen immer erstmal ab, wie sich das entwickelt.

    Eine Dystopie aus den "früheren Jahren" ist z. B. auch "Hüter der Erinnerung", der 2014 ins Kino kam, das Buch ist von 1994 und der Beginn einer (ich glaube) 4teiligen Reihe.
    Den Film hab ich erst gesehen und den fand ich gar nicht mal schlecht, das Buch kenne ich leider noch nicht.

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Guten Morgen liebe Aleshanee,

      diese Befürchtung habe ich auch, zumal ich denke, mein Englisch ist nicht stark genug, um die Bände in der Originalsprache zu lesen. Mal schauen, weil interessant war dee erste Teil schon.

      "Die Hüter der Erinnerung" kenne ich nur vom Hören-Sagen" kenne. Ich schaue es mir mal genauer an. Vielen lieben Dank für deinen Besuch.
      Liebe Grüße Cindy

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