Samstag, 16. April 2016

Verliebt in Down Under – Rezension zu „Ein Teil von uns“ von Kira Gembri

© Cover- und Zitatrechte: Arena Verlag


Inhalt

„Ein Draufgänger, der sich von einem Risiko ins andere stürzt – das wäre der 19-jährige Aaron gerne. Stattdessen sitzt er seit seinem Nierenversagen fünfzehn Stunden pro Woche im Krankenhaus und erlebt Abenteuer nur im Kopf. Nia hingegen kann auf Abenteuer gut verzichten. Vor lauter Angst, ihre strengen Eltern zu enttäuschen, geht sie lieber keine Risiken mehr ein. Klar, dass es nicht gerade Liebe auf den ersten Blick ist. Aber keiner von beiden hätt sich je träumen lassen, dass ein Streit im Krankenhaus sie zum Abenteuer ihres Lebens führen könnte – und bis ans Ende der Welt…“ Quelle Klappentext



Der zufällige Satz...
 
 

„‘Würde mir bitte jemand verraten, wer Luisa Bohnenstengel ist?‘, ertönt es hinter der Zeitung, während ich mich der Fantasie hingebe, in meinen Kursen über Romane zu diskutieren anstatt über Paragrafen.“
 
Seite 63 Zeile 6 bis Zeile 9




Meinung


Kira Gembri wirft ein ernstes Thema in den Topf, schmeißt ihre Charaktere hinterher, gibt ihnen Energie und verrührt alles so lange miteinander, bis ein Buch herauskommt, das aufrüttelt,
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nachdenklich macht, aber nie durchgängig bedrückt oder herunterzieht. Ob es Lea und Jay aus „Wenn du dich traust“, Tom und Luna „Nur einen Klick entfernt“ sind, sie sich mit Zwangsstörungen beschäftigen oder sich ihr Leben mehr und mehr übers Internet abspielt, Kira Gembris Protagonisten, handeln aus dem Bauch heraus, mit einem Lächeln, sind um Worte selten verlegen verpassen ihrem Schicksal einen Arschtritt.

So auch ihr neustes Jugendbuch „Ein Teil von uns“ – Aaron ist 19 Jahre alt und wartet seit 5 Jahren auf eine geeignete Spenderniere. Hoffnung, Angst und Wünsche sind Aarons ständige Begleiter gewesen, ganz klar das diese lange Zeit nicht spurlos an ihm vorbei gegangen ist. Aaron entwickelt zum Selbstschutz eine große Portion schwarzen Humor, für ihn ist ein verregneter Tag, an dem die Straßen zusätzlich aalglatt sind, das perfekte Spendewetter. Diese Aussage sitzt schwer im Bauch. Doch recht hat er, denn in den meisten Fällen bedeuten, gespendete Organe, dass Menschen dafür gestorben sind.

Aarons Dauergrinsen und seine große Freude über sein geschenktes Leben prallen mit Nias Wut zusammen, und da „Ein Teil von uns“ abwechselnd in der Nia und Aaron Ich-Perspektiver geschrieben ist, wurde ich von den verständlichen gegensätzlichen Emotionen überrollt und brauchte erst mal eine Verschnaufpause. Mir geisterte die ganze Zeit im Kopf herum wie sehr der Satz: “Des einem Freud, ist des anderen Leid“ hier zutrifft.

Nias Eltern, die geht-zum-Lachen-in-den Keller-Mutter und ihr Mein-Gesicht-ist-mit-einer-Zeitung-verwachsen-Vater, sind knallharte Anwälte. Beide erwarten stets die besten Leistungen von ihrer Tochter, einen Anflug von Anerkennung bekommen sie selten zustande. Mit dieser Familie im Rücken, ist Nia sehr kontrolliert und erlaubt sich selten locker zu sein. Als Aaron und Nia sich im zweiten Teil der Geschichte wieder treffen, ist es ein Anflug von Mut, einmal etwas verrücktes im Leben zu tun, Freiheit zu spüren und ihrer Tante, dem einzigen Familienmitglied, von dem Nia sich geliebt und verstanden fühlte, näher zu sein, weshalb sie Aaron nach Australien folgt.

„Niemand stellt sich nur Fotos vom Schulabschluss hin, wenn er schon mal in Australien war.“ Oder sonst irgendwas im Entferntesten Geiles erlebt hat, füge ich innerlich hinzu. – Aaron Seite 72

Auf dem Kontinent der Kamikaze Kängurus und der lautstark nach Fortpflanzungsschreienden plüschigen Koalas, fällt der Schwermut von Nia und Aaron ab. Der typische Kira Stil entfaltet sich. Die beiden duellieren sich in brillanten, witzigen Wortgefechten. Aaron gelingt es die streng kontrollierte Fassade von Nia aufzuklopfen, während er sie nur das Military Girl nennt, bringt er Nia mit seiner Lockerheit zur Weißglut. Nia meint, dass Aaron sorglos mit seiner neuen Niere umgeht. Unter der australischen Sonne lernen die beiden, dass sie so verschieden nicht sind, sie meistern den Kampf gegen brummige Grundstücksbesitzer und unheimliche 8-Beiner, die keine Scheu vor fremdem Eigentum kennen. Mit „Ein Teil von uns“ hatte ich eine großartige Zeit in Australien. Nia und Aaron sind von der Kumpel Sorte, mit denen ich gerne einen Urlaub verbringe.

Fazit

„Ein Teil von uns“ gelingt es mit dem Organspendenthema, die ganze Tragik aller Beteiligten zu transportieren. Da ist Aaron, der seit Jahren auf eine neue Niere wartet, dessen Hoffnung sich mit schwarzem Humor gefärbt hat, weil er es leid ist, zu bangen und enttäuscht zu werden. Da ist Nia, die einmal in ihrem Leben etwas wagt, wozu sie Mut benötigt und es mit dem teuersten und liebsten bitter bezahlen muss. Freude und Leid liegen bei Aaron und Nia dicht beieinander. Die Emotionen der beiden haben mich schier überrollt, da ich jeden für sich verstehen konnte. Dennoch gelingt es Kira spielend dieses beklemmte Gefühl mit Witz, Charme und eine Portion frecher Dialoge aufzulockern. Von Kiras warmen, herzlichen Wohlfühl-Bücher kann ich einfach nicht genug bekommen. 5 Sterne.



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© Cindy Raschdorff kumosbuchwolke.blogspot.de

Kommentare:

  1. Hallo liebe Cindy!

    Von der Autorin hab ich schon so viel Gutes gehört! Das Organspendenthema ist sicherlich kein leichtes, aber ein sehr interessantes. Ich habe das Buch nach deiner Begeisterten Rezi gleich mal auf meine Wunschliste gesetzt. :D

    Liebste Grüße
    Nina ♥♥♥

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    1. Hallo liebe Nina,

      die Bücher von Kira Gembri sind auch richtig toll. "Wenn du dich traust" kann ich dir empfehlen, mein absolutes Herzensbuch. Ja das stimmt, Organspenden ist kein leichtes Thema und Kira geht ihr auch auf die Risiken ein, trotzdem steht es nicht im Mittelpunkt und zieht einem nicht runter. Ich werd ja sehen, wann das Buch von dir gelesen wird. :D
      Liebe Grüße Cindy

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