Samstag, 19. März 2016

Rezension zu "Die Buchspringer" von Mechthild Gläser

© Cover- und Zitatrechte: Loewe Verlag

Inhalt

Während einer Nacht und Nebel Aktion machen sich Amy und ihre Mutter Alexis auf den Weg nach Stormsay, einer abgelegenen Insel in England. Bereits die Überfahrt, inmitten eines Sturms, ist unheimlich und die Insel selbst, birgt weitere Geheimnisse. Endlich angekommen, staunt Amy nicht schlecht, als sie erfährt, dass ihre Großmutter Lady Mairead eine echte Lady ist und in einem großen Herrenhaus lebt. Amy lebt mit ihrer Mutter in einem Hochhaus in Bochum. Fasziniert betrachtet sie ihr neues Feriendomizil. Die Zimmerdecken sind mit prächtigen Illustrationen versehen, die alle einen buchischen Bezug aufweisen. Amy ist begeistert, sind ihre größte Leidenschaft, doch Bücher und ihre Oma scheint diese Leidenschaft zu teilen. Warum ist Alexis vor ca. 17 Jahren, schwanger von ihrem Zuhause geflohen? Amy erfährt, dass ihre Familie Lennox, eine besondere Gabe besitzt. Alle Familienmitglieder können vom 5. bis zum 25. Lebensjahr in die Geschichten der Bücher springen und sich dort umsehen. Neben den Lennox haben die Mitglieder der Macalister die gleiche Fähigkeit und die jungen Leute werden gemeinsam auf Stormsay im Buchspringen ausgebildet. Die Helden ihrer Lieblingsbücher treffen, eine Teestunde mit dem verrückten Hutmacher, ein Plauderstündchen mit Schir Khan, Amy kann ihr Glück nicht fassen und kostet ihre neue Fähigkeit voll aus. Bald ziehen dunkle Welten in der Buchwelt auf, Dorothy gelangt nicht mehr in die zauberhafte Welt von Oz, da der Wirbelsturm abhanden gekommen ist. Zeitgleich, ereignen sich auch auf Stormsay seltsame Vorfälle. Gemeinsam mit ihren literarischen und nicht literarischen Freunden, beginnt für Amy ein gefährliches Katz- und Mausspiel.





Der zufällige Satz...

 

„‘Ich bitte Sie, hier ist doch genügend Platz für uns alle‘,sagte Werther, der sichtlich froh über den Ohrensessel war, in dem er sich hatte plumpsen lassen.“
 

Seite 100 Zeile 11 bis Seite 100 Zeile 14





 
Meinung

Wer von uns Leserinnen und Leser träumt nicht davon, mal so richtig in die Welten der Lieblingsbücher abzutauchen? Von einem Sparziergang durch die Winkelgasse oder sich hemmungslos in den Gängen von Hogwarts zu verirren?
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Also ich möchte das sehr gerne mal erleben und bin ein wenig neidisch, das Amy eine besondere Leserin ist und dass Mechthild Gläser mit „Die Buchspringer“ einen fantastischen Roman geschrieben hat, der meine Sehnsucht kennt.


„Schwörst du beim Lesen, stets dem Schutz der Geschichten zu dienen und nichts zu tun, was sie zerstören oder verändern könnte“
– Glenn Seite 44


Amy erfährt in ihrer ersten Unterrichtsstunde wie es gekommen ist, dass die einst verfeindeten Familien der Macalister und der Lennox gemeinsam zum Schutze der Literatur an einem Strang ziehen. Dieser Grund wird nämlich innerhalb der Buchspringer in einer eigenen Geschichte angesprochen. Darüber hinaus lehrt, der Mönch Glenn, dass das Springen in die Buchwelt innerhalb des Steinkreises funktioniert und das nur mit einem Buch aus Papier. Zu diesem Zweck legen sich die Buchspringer auf dem Rücken und das gewünschte Buch aufs Gesicht. Als würden sie während des Lesens einschlafen. Doch klappt das wirklich nur mit herkömmlichen Büchern? Was ist mit E-Books? Unmöglich laut Lehrer und den bereits erfahrenen Macalister Springer Betsy und Will. 


Doch Amy kann von ihrem Zimmer im Herrenhaus und mit einem E-Books springen. Warum ausgerechnet sie das kann, wird im Buch verraten. Was mich dazu bringt, das zu erwähnen, ist das ich es großartig finde, dass Mechthild Gläser keinen Unterschied zwischen elektronisch und Papier macht. Es ist eine Liebeserklärung an die Geschichten selbst. Natürlich lese ich gerne ein Buch, dessen Seiten beim Blättern rascheln und das schwer in der Hand liegt. Das Gefühl meinen eigenen Fortschritt zu beobachten, wenn die linke Seite im Verlauf dicker und die rechter dünner wird, ist unbeschreiblich. Das alles bietet ein E-Books natürlich nicht, allerdings ermöglichte das elektronische Buch der einen oder anderen Geschichte Leser zu erreichen und zu erwachen, was vorher nicht möglich gewesen ist, weil nicht jeder Autor von einem Verlag eine Chance bekommen hätte. E-Books bringen Vielfalt.

Ein weiterer Pluspunkt der Buchspringer Welt ist „die Zeile“ innerhalb der Buchwelt. „Die Zeile“ ist ein neutraler Ort – quasi ein Pausenraum für alle Buchfiguren, die gerade nicht in ihrer Handlung vorkommen müssen. Hier können sie sich treffen und Neuigkeiten austauschen. Amy hält sich mit ihrem neuen Freund, dem jungen Werther, dort am liebsten auf. In „der Zeile“ erfahren beide von den unstimmigen Vorkommnissen in den Geschichten anderer Buchhelden. Ein ganz wunderbarer Ort.

Überhaupt hat mir die gesamte Buchwelt gut gefallen. An jeder Geschichte grenzt eine andere und Amy muss gelegentlich nur hinüber sparzieren, um beispielsweise von „Heidi“ zu „Alice im Wunderland“ zu gelangen. Die „Buchspringer“ bieten einen bunten Mix aus klassischer Literatur wie „Stolz und Vorurteil“ „Macbeth“ oder Kinderliteratur wie „Das Dschungelbuch“ oder „Oliver Twist“ an. Es ist nicht zwingend erforderlich das man all die Werke gelesen hat, meist reicht ein gutes Allgemeinwissen aus, bringt jedoch besonderes Augenzwinkern, wenn die Macken der Helden bekannt sind.

Ich finde Mrs. Bennet, deren einzige Lebensaufgabe darin besteht, ihre Töchter wohlhabend zu verheiraten, ist vortrefflich wiedergegeben. Mich regen „Die Buchspringer“ dazu an, mir einige andere Werke anzuschauen. Zum Beispiel „Die Leiden des jungen Werthers“, weil mir dieser Werther ans Herz gewachsen ist.

„Sie wurde erfüllt vom Wispern der Worte, dem Locken all der Geschichten, die darauf warteten gelesen zu werden, einem raschelnden Versprechen, das in der Luft hing. Wie viele Abenteuer verbargen sich hier zwischen Papier und Tinte, wie viele große Liebesgeschichten, wie viele epische Schlachten.“ – Amy Seite 40

Die Figuren in der Draußenwelt (Bezeichnung für die eigentliche Realität) sind Herzensfiguren. Amy ist eine Leserin durch und durch, freundlich, hilfsbereit und doch etwas unsicher, wenn es um ihre eigene Person geht. Mechthild Gläser wirft ebenfalls die Frage auf, was eigentlich passiert, sollte eine Buchfigur in der Draußenwelt zu Tode kommen?

„Aber ich werde die Buchwelt nicht aufgeben, nur weil du Schuldgefühl hast. Sie ist viel zu fantastisch, darauf werde ich nicht freiwillig verzichten. Niemals. Amy – Seite 150

Das muss Will Macalister erleben, der seinen besten Freund ermordet auffindet und daraufhin in ein tiefes Loch fällt. Amy ist an seiner Seite und steht ihm bei so gut es geht. Ich habe „Die Buchspringer“ regelrecht verschlungen, verzaubert von der Idee, gefesselt vom Rätsel raten, allerdings am Ende ein wenig ratlos zurück gelassen, denn für mich worden nicht alle Fragen geklärt und der Schluss hat mich richtig überrascht.

Fazit

Freude und Spaß an „Die Buchspringer“ überwiegen das ernüchternde Ende, weshalb ich keine Punkte in der Gesamtbewertung abziehen werde. Ich glaube junge sowie ältere Leser können Lesefreude an diesem Buch haben, es gibt für beide Seiten entweder Neues zu oder Bekanntes zu entdecken. „Die Buchspringer“ sind eine Liebeserklärung an Geschichten und deren Leser unabhängig ob sie mit papierisch oder elektronisch gelesen werden. 5 Sterne mit

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© Cindy Raschdorff kumosbuchwolke.blogspot.de

Kommentare:

  1. Hy!

    Eine tolle Rezension hast du da geschrieben. Ich glaube jeder Leser würde gerne mal in das eine oder andere Buch springen. Das Buch ist auf meine Wunschliste gewandert.

    lg backmausi81

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    1. Hallo liebe Backmausi,

      zum Glück ist lesen doch wie ein kleiner Sprung in die Geschichten oder? :) Ich hoffe dich können die Buchspringer genauso begeistern wie mich.

      Liebe Grüße
      Cindy

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  2. Hallo Cindy,

    am Sonntag haben wir noch in Leipzig darüber gesprochen ;) und nachdem ich deine Rezi gelesen habe, kann ich dir nur zustimmen. Wie du weißt, hat mir das Buch ebenfalls sehr gefallen und ich finde die Idee dahinter sehr gut und toll umgesetzt. Auf jeden Fall würde es mich reizen, in die eine oder andere Geschichte springen zu können.

    Ich habe mich sehr gefreut, dass wir uns persönlich kennen gelernt haben und freue mich auf die FBM und die gemeinsame Zeit.

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo lieberr Uwe,

      oh ja die Fähigkeit in Geschichten herum zu springen, wäre wundervoll. In welchem Buch würdest du gerne springen? Da du ja auch gerne Thriller liest, hätte ich ein wenig Angst um dich. ;) Zwar nicht so gar nicht Thriller, wäre ein Besuch bei Miss Marple fantastisch oder?

      Vielen lieben Dank für die schöne Zeit in Leipzig und Frankfurt kann so was von kommen. :D
      Liebe Grüße
      Cindy

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    2. Das ist lieb von dir, dass du um mich Angst hättest, wenn ich in Thriller springen könnte :* Ehrlich gesagt, habe ich mir keine Gedanken über ein mögliches Buch gemacht.

      Das kann ich nur zurückgeben und ja bis Frankfurt :)

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    3. Ach herrlich, ich hab dich gerade besucht und du mich. :)

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