Montag, 28. März 2016

Eine Auszeit von der Treue - Rezension zu „Ein Sommer ohne uns“ von Sabine Both

© Cover- und Zitatrechte: Loewe Verlag

Inhalt

„Eine ganz große Liebe. Und eine Auszeit von der Treue. Eine offene Beziehung. Für drei Monate. Zwischen Abi und Studium. Sich ausprobieren. Mit anderen. Danach ist alles wieder wie zuvor und Tom und Verena weiterhin ein Paar. Denn sie lieben sich und wollen für immer zusammenbleiben. Doch ist das wirklich so einfach, wie sie es sich vorstellen?“ – Quelle Klappentext



Der erste Satz...   

 

„Verena schaut gegen die Sonne zur Terrassentür, legt die Hand schützend über die Augen.“
 
Seite 7 Zeile 1 bis Zeile 2




Meinung



Verena und Tom sind zusammen, seit sie 13 Jahre alt sind, in der Gegenwart der Geschichte, sind beide 18 Jahre. Ihre Liebe ist mit ihnen erwachsen geworden. Vom ersten Kuss bis zum ersten Mal, haben sie alles miteinander kennengelernt. Mittlerweile ist Verena an den Punkt, an den sie sich fragt, ob Tom und sie nicht doch irgendwas verpasst haben, weil sie keine Erfahrungen mit anderen
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gesammelt haben. Wenn Verena mit ihrer besten Freundin Anna über Männer spricht und Anna ihr von ihren Erlebnissen berichtet, zweifelt Verena ob der Weg den Verena und Tom gewählt haben, der richtige ist. Obwohl Verena Tom liebt und sich vorstellen kann mit ihm alt zu werden, befürchtet sie, dass der Tag kommen wird, an denen sie es beide bereuen werden, sich nicht ausprobiert zu haben und das sie sich das vorwerfen könnten.

Als Verena einen jungen Mann kennenlernt, der sie anzieht, wird der Wunsch nach einer kleinen Auszeit größer. Eine Auszeit zwischen Abi und Studium. Die Angst etwas verpasst zu haben, kann ich bei Verena schon nachvollziehen, da ich selbst seit mehr als 10 Jahren mit meiner ersten Liebe zusammen bin und ähnliche Ängste in der Zeit auch mal vorgekommen sind, doch ich bin immer zu einem klaren Entschluss gekommen, ganz anders als Verena. Mich hat an „Ein Sommer ohne uns“ gereizt, wie Autorin Sabine Both mit dem Thema umgegangen ist.

Sabine Both lässt Verena und Tom nach wenigen Sätzen, abwechselnd zu Wort kommen. Dadurch ergibt sich für beide ein vollständiges Bild. Die Worte oder die Botschaften in den kurzen Sätzen wiederholen sich oft, machen das Gesagte eindringlicher und lässt die Geschichte, schneller lesen.

Verena wird in der Gegenwart mit den ersten leisen Zweifeln präsentiert, die sie zunächst nicht genau bestimmen kann. Für Tom ist Verena seine Sonne, seine Welt und sein Mittelpunkt. Für ihn gibt es kein anderes Mädchen. Bis zu dem Zeitpunkt, ab dem Rollo, Verenas Zwillingsbruder, Isabelle, sein neues Betthäschen der Gruppe bekannt macht. Isabelle ist verglichen mit Verena, das komplette Gegenteil, sie nimmt sich ohne Rücksicht auf andere, was sie möchte. Hält sich nicht an Regeln und ist frei und ungebunden. Isabelle ist die verbotene Frucht, die Tom zum Straucheln bringt.

Mir haben Verena und Tom beide gut gefallen, ich habe ihre Gedanken gedacht und ihre Gefühle empfunden. Ich muss gestehen, dass ich allerdings leicht parteiisch geworden bin, denn einer der beiden hat mehr Sympathie von mir bekommen. Sabine Both lässt ihre Protagonisten in ihrem Gefühlscocktail auf und ab hüpfen. Bringt nicht nur Chaos in Liebe und Freundschaft sondern auch ins Familienleben der beiden. Gerade in dem Familienbereich wird „Ein Sommer ohne uns“ vorhersehbar. Ob so eine offene Beziehung für Tom und Verena doch das richtige ist? Ob die Dinge, die sie lernen werden, das was sie dabei verlieren können, es wert sind?

Verena und Tom handeln naiv und mit festem Vertrauen an sich und ihrer Liebe. Das Ende von „Ein Sommer ohne uns“ ist genau richtig, so wie es ist, es zeigt die Wege die ein Leben nehmen kann. Ungerecht finde ich allerdings, das ich das Gefühl hatte, einer der Beiden bekommt zu Unrecht den Schwarzen Peter zugeschoben, wo doch beide die gleichen Fehler gemacht oder Entscheidungen getroffen haben.

Noch zwei Dinge haben mich am Ende überrascht, dass mir von den Nebencharakteren der Zwillingsbruder Rollo nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist, dass sah zum Anfang noch anders aus und das sich der erste Eindruck der Wortwahl wie „Schwanz“ nicht permanent durchgezogen wurde.

Fazit

Verena und Tom, da sind Freunde und Familie sich einig, werden immer zusammenbleiben. Doch Verena ist sich nicht sicher, ob sie nicht etwas verpassen werden. Dieses Thema ist der Hauptschwerpunkt in „Ein Sommer ohne uns“, ganz unvoreingenommen bin ich nicht an die Sache herangegangen. Für sich genommen, agieren Tom und Verena überzeugend und passend. Einziger Minuspunkt gegen Ende ist, dass ich das Gefühl hatte, einer der Beiden wird mehr Schuld zugewiesen als dem anderen. Dabei haben sich beide zu gleichen Teilen auf das Experiment eingelassen und mit blauen Flecken musste gerechnet werden. 4 Sterne.

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© Coverrechte: liegen bei den einzelnen Verlagen und/oder Autoren
© Cindy Raschdorff kumosbuchwolke.blogspot.de

Kommentare:

  1. Hallo Cindy,

    eine schöne Rezi zu einem Thema, welches ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Ich war mit meiner 1. Freundin etwas 9 Jahre zusammen, als sie das Gefühl hatte, etwas zu verpassen. Dies Gefühl hatte ich zwar nicht, aber es war das Ende für unsere Beziehung. Im Nachhinein bin ich sogar sehr dankbar, dass es so kam. Über dieses Thema hatten wir uns ja auch in Leipzig kurz unterhalten :)

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo Uwe,

      vielen Dank fürs Kompliment. :) Ja das Thema hatten wir kurz in Leipzig und ich bin ehrlich die Gedanken hatte ich auch kurz. Ich glaube sie sind bis zu einem bestimmten Grad normal, vor allem wenn man noch "jung" ist. Allerdings sobald ich intensiver über das Thema nachgedacht habe, hat mir das Herz weh getan, meinem Mann zu verlassen, tut weh und solange das weh tut, ist er der richtige für mich. Außerdem gut möglich, dass es da draußen einen Menschen gibt, der die Dinge die mich an meinen Liebsten stören, nicht hat, aber wer versichert mir denn, dass er die positiven Eigenschaften und die liebgewonnenen Macken von meinem Mann hat? Perfekt ist das Unperfekte. :D
      Liebe Grüße
      Cindy

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    2. Sehr gerne.

      Ich weiß, was du damit meinst und besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können ;)

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  2. Huhu Cindy,
    das ist ja mal eine sehr positive Meinung zu dem Buch. Bisher habe ich überall gelesen, dass die Umsetzung der Auszeit total nebensächlich dargestellt war und andere Probleme im Vordergrund standen. Kam dir das anders vor?
    An sich würde mich das Thema ja interessieren, denn manchmal finde ich die Vorstellung schon seltsam, ab jetzt immer nur den einen Mann an der Seite zu haben.

    LG Alica

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    1. Hallo Alica,

      ich fand nicht, dass die Auszeit nebensächlich behandelt und andere Probleme mehr in den Vordergrund gestellt wurden. Es fügt sich eher alles in einem natürlichen Fluss an Ereignissen, die im Leben passieren könnnen.
      Ich hätte es unrealistisch gefunden, wenn die Auszeit stärker fokusiert worden wäre, in dem sich Verena und Tom munter durchtesten und probieren.
      Deine Gedanken hatte ich am Anfang auch, allerdings bin ich nun ruhiger, irgendwie reifer und weiß, was ich an den einen Mann an meiner Seite alles habe.
      Liebe Grüße Cindy

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    2. Dann gebe ich dem Buch vielleicht doch mal eine Chance und mache mir selbst ein Bild von der Umsetzung. ;)
      Ich würde es wohl auch nicht ernsthaft durchziehen, solange ich keine ernsten Beziehungsprobleme habe. Dafür ist es viel zu bequem, sich nicht mehr in Schale werfen zu müssen, um den Jungs zu gefallen. :P

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