Montag, 13. April 2015

Rezension zu Gefallener Engel von Susanne Nitzsche

© Cover- und Zitatrechte: Susanne Nitzsche

Inhalt


Amazon Seite von Susanne Nitzsche
Sarah Whitehall ist 21 Jahre alt und möchte sich nun an ihrem Geburtstag von den Fesseln ihrer strengen Erziehung lösen. London schreibt das Jahr 1925 und mit den 20er Jahren beginnt eine neue Zeit, gerade für Frauen die sich mehr Freiheit wünschen. Doch Sarah schießt am Abend ihrer Geburtstagsfeier übers Ziel hinaus und erregt die Aufmerksamkeit Londoner Gesetzeshüter, während sie mit ihrem Begleiter auf offener Straße heftigst flirtet. Sarahs Vater ist ein streng konservativer Politiker, dem das eigene Wohl mehr bedeutet als seine Tochter, um einen Skandal zu vermeiden schickt er Sarah zu einem alten Freund, Lord Bradbury, aufs Land. Soll dieser sich doch um Sarah kümmern und ihr Manieren beibringen. Kaum ist Sarah auf dem Landsitz von Lucas Weatherly eingetroffen, macht dieser ihr sofort klar, was er von ihr hält und wie er sie zu behandeln gedenkt. Das anfängliche rebellische Verhalten gegenüber dem Landleben, fällt bei Sarah schnell in sich zusammen und sie fügt sich ihrem Schicksal, scheinbar widerspruchslos. Mit der Zeit findet Sarah Freunde in ihrer neuen Heimat und fühlt sich zum ersten Mal wirklich wohl, wenn da nur nicht ihr teils schweigender, teils gemeiner Gastgeber wäre. Ob er überhaupt ein Herz besitzt? Wann fängt er endlich an sich nicht von Gerüchten beeinflussen zu lassen, sondern Sarah mit eigenen Augen zu begegnen?




Der zufällige Satz...   
Position 86 (kann variieren, denn ich nehme nur ganze Sätze)
 

„Der Uniformierte nickte stumm.“
 

Position 86
















Meinung

Zu Gefallener Engel von Susanne Nitzsche bin ich durch das wundervolle schöne Cover gekommen. Außerdem klang der Klappentext vielversprechend. Ich liebe Liebesromane dieser Art sehr und habe schon viele gelesen, die in etwa von 1837 bis 1901 spielen oder eben noch früher. Meistens sind dieses Liebesgeschichten in Adelskreisen angesiedelt und ich mag die Mischung aus "vornehmen" Verhalten und überschäumenden Gefühlen. Die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts versprachen neue Möglichkeiten gerade für Frauen, sie hatten sich ihr Wahlrecht erkämpft und es kam zu einem neuen Typ junger Frauen, den Flapper. Jene jungen Frauen setzten sich über die damals herrschenden Regeln von gutem Benehmen selbstbewusst und modern hinweg. Sie trugen ihr Haar kurz, schminkten sich, hatten Männerbekanntschaften (ohne verheiratet gewesen zu sein), tranken und rauchten. Auch Sarah Whitehall wird zu Beginn von Gefallener Engel so dargestellt und ich dachte, mit ihr eine freche selbstbewusste Protagonistin vor mir zu haben, die sich ihre Abschiebung aufs Land nicht so einfach gefallen lassen wird. Dem Lord die Stirn bieten wird.

Leider verpufft Sarahs Selbstbewusstsein recht schnell und sie fügt sich in ihr neues Leben ein. Gerade Lucas Weatherly macht ihr Angst, denn er erinnert sie an ihren Vater und dieser schreckte nicht davor zurück, Sarah einzusperren und sie zu schlagen. Ihr Verhalten lässt sich also mit ihrem Elternhaus und ihrer Kindheit erklären. Lord Bradbury erhebt die Hand nicht gegenüber Sarah, aber er strafft sie mit Nichtachtung und lässt keine Gelegenheit aus, ihr zu sagen, dass er sie für ein leichtes Mädchen hält. Der Konflikt zwischen ihnen,  nämlich dass Lucas blind gegenüber der Wahrheit ist, ist nichts Neues für diese Liebesromane und für gewöhnlich, entsteht dadurch, ein unterhaltsames Katz und Maus Spiel.  Aber immer vorausgesetzt die Heldin beweist einen Dickkopf und ist nicht um Antworten verlegen. Das fehlt Sarah hier, nur im Umgang mit dem Personal und ihrem Hauslehrer zeigt Sarah sich selbstbewusst.

Lord Bradbury hält Sarah lange Zeit für ein verwöhntes dummes Mädchen und erlaubt ihr nur wenig. Sie soll mindestens zwei Stunden auf seine Ländereien einen Sparziergang machen, um zu Kräften zu kommen, schließlich führte sie in London ein angenehmes ruheloses Leben. Nach einigen Monaten erlaubt er Sarah, dass sie das angrenzende Dorf besuchen darf, dort lernt sie die Pfarrerstochter Fiona Wilson kennen. Fiona ist ein echter Wildfang und gibt nichts auf Gerüchte, sie bildet sich am liebsten selbst eine Meinung von den Menschen. So hat sie es von ihrer Familie kennengelernt. Fiona nimmt Sarah gleich zu sich nach Hause mit und stellt sie ihrer Familie vor. Für Sarah sind die Wilson eine echte Überraschung, den in dieser Familie lebt die Liebe und die Kinder dürfen sich frei entfalten, die Wilson sind als Familie alles was Sarah von ihrer eigenen nie erwarten durfte. Durch die Begegnung mit der Pfarrersfamilie blüht Sarah immer mehr auf und sie fühlt sich angenommen. Nur eben im Umgang mit dem Lord ist sie lange, sehr lange vorsichtig und zurückhaltend.

Für eine aufkommende Liebesgeschichte zwischen den Beiden, ist das eine komplizierte Grundlage, denn sobald die beiden nur einen Satz miteinander wechseln, fallen diese oft viel zu kurz oder zu höflich aus.

Die Sprache der Figuren ist vornehm und höflich. Da der Roman eigentlich 1925 beginnt, hatte ich mit einer "normalen" der Zeit entsprechenden Sprache gerechnet. Ich weiß zwar nicht, was eine dieser Zeit angemessenen Sprache ist, aber so wie es in Gefallener Engel ist, dachte ich der Roman spielt tatsächlich im 19. Jahrhundert von Beginn an. Das diese "Moderne" so ausgeschlossen wird, liegt auch daran, dass die Handlung aufs Land verlegt wurde. Denn die Bewohner des Dorfes legen viel Wert darauf, dass die alten Werte bestehen bleiben. Jedenfalls im Großen und Ganzen. Kleine neue Gedanken und Methoden halten auch hier nach und nach Einzug.

Lucas Weatherly, der 12. Lord Bradbury ist 10 Jahre älter als Sarah, war im Krieg und hat dort auch Sarahs Vater kennengelernt. Er ist außerdem Witwer. Bevor er zu dem wurde, soll er ein fröhlicher liebevoller Mensch gewesen sein. Jetzt kümmert er sich zwar noch immer um die Menschen auf seinem Besitz, aber gegenüber Sarah fällt es ihm schwer liebenswürdig zu sein. Mit der Zeit kommen ihm Zweifel, ob Sarah wirklich so verrucht ist, wie er bislang angenommen hat und dieses Gefühlschaos macht ihn verrückt.

Leider verliert das Ganze etwas an Spannung da Sarah und Lucas sich schwer tun mit einander zu reden oder einfach mal den Kopf ausschalten und das Kribbeln bleibt auf der Strecke. Lucas und Sarah werden Hindernisse in den Weg gelegt, die sie recht schnell beseitigen können. Gerade in der eiskalten Beziehung zwischen Sarah und ihren Eltern hätte ich mir noch mehr Knalleffekte gewünscht, um die Spannung zu erhöhen. 

Das Ende konnte mich dann doch noch etwas überraschen und war in sich stimmig.

Fazit

Gefallener Engel von Susanne Nitzsche hat ein unglaublich schönes Cover. Sarah wird anfänglich als moderne, freche selbstbewusste Frau ihrer Zeit vorgestellt, hält dem nur nicht lange stand und wird bald schon zu einem lieben, artigen, angenehmen Mädchen. Der Titel "Gefallener Engel", wird zwar im Buch erklärt, aber ich fand nicht dass er zu Sarah sehr gut gepasst hat, da sie nicht widerspenstig genug gewesen ist, sondern die Dinge oft einfach nur hingenommen hat.

Auch die zu erwartende Beziehung zwischen Sarah und Lucas bleibt lange Zeit ruhig und artig. Ich habe keine wilden Bettszenen erwartet, aber Herzkribbeln hätte schon mehr drin sein dürfen. Lucas und Sarah machen es sich selbst nicht einfach.

Gefallener Engel ist eine unterhaltsame Geschichte für ein paar Lesestunden hat mich aber nach dem Ende nicht mehr weiterverfolgt.





Mit diesem Buch nehme ich an folgender Challenge teil

Challenge der Gegenteile - Biancas lila Seite des YinYangs: Eine Frau auf dem Cover

Ran an den SuB - Monatsaufgabe März - Neues Entdecken

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© Coverrechte: liegen bei den einzelnen Verlagen und/oder Autoren
© Cindy Raschdorff kumosbuchwolke.blogspot.de

Kommentare:

  1. Huhu liebe Cindy,

    eine sehr schöne und ausführliche Rezi hast Du da geschrieben.
    Die Story hört sich an sich echt interessant an, schade das Dich das Buch nicht so ganz überzeugen konnte. Habe es leider noch nicht gelesen und kann daher nicht viel dazu schreiben.
    Wünsche Dir noch einen tollen und sonnigen Tag!

    Liebe Grüße,
    Tanja

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    1. Hallo liebe Tanja,

      hast du denn vor das Buch zu lesen? Ja ich fand es auch schade, dass es hinter meinen Erwartungen zurück geblieben ist. Die Charaktere waren mir zu lieb.

      Dankeschön ich wünsche dir auch einen schönen sonnigen Tag. Es wird endlich wieder warm. :)

      Liebe Grüße
      Cindy

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