Mittwoch, 4. März 2015

Rezension zu Die Schatten von London von Maureen Johnson

 
© Cover- und Zitatrechte: cbt


Inhalt

Die sechzehnjährige Rory Devaux ist bis her noch nie von ihrer Heimatstadt New Orleans, in den Vereinigten Staaten weg gewesen, bis ihre Eltern, beide Anwälte, eine Dozentenstelle an einer englischen Universität in Bristol annehmen. Rory darf sich die Schule, an der sie ihren Abschluss machen möchte, selbst aussuchen und entscheidet sich für Wexford, ein Internat im Londoner East End.
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Unmittelbar, bevor Rory in ihrem Internat ankommt, geschieht in London ein grauenhafter Mord, der vom Tathergang stark an die Morde aus dem Jahre 1888 erinnern und somit deren Verursacher, Jack the Ripper zugeschrieben werden. Hauptsächlich wegen den Medien entsteht erneut ein Jack the Ripper Kult, rund um London. Jeder Fernsehsender, der etwas auf sich hält, schickt Vertreter nach London, um über die Morde aus erster Hand berichten zu können. Hobby- Detektive, Ermittler und Experten fühlen sich berufen den Mörder zu überführen und neue Morde zu verhindern.

Zunächst hat Rory ganz andere Sorgen. Noch nie zuvor, war sie in einem Internat und in einem anderen Land. Es gibt viele Dinge an die sie sich erst noch gewöhnen muss. Während es in New Orleans im August richtig heiß ist und sie dort mit Hurrikans zu kämpfen haben, kämpft Rory im englischen Spätsommer mit den kalten Temperaturen und dem Unterrichtsstoff in Höherer Mathematik, Englische Literatur, Geschichte, Französisch und Kunstgeschichte. Daheim ist Rory eine gute Schülerin gewesen, hier in Wexford, lernt sie was es heißt, zu lernen. Nach Schulschluss büffelt sie in der Bibliothek weiter und verzweifelt fast, hätte sie nicht die Unterstützung ihrer Zimmernachbarin Jazza und dem charmanten Aufsichtsschüler Jerome. Jazza wird zu Rorys bester Freundin in Wexford und erklärt ihr oft die englischen "Macken". In der Bibliothek lernt Rory Allistar kennen, der ihr immer mal wieder in Literaturdingen aushilft. Sonderbar ist Allistar aber schon, denn Rory trifft ihn nur in der Bibliothek und nicht etwa beim Frühstück, Mittag oder Abendessen im Saal wieder und sie begreift nicht warum Allistar am liebsten im Dunkeln liest. Durch ihren Freund Jerome werden Jazza und Rory auch in Jack the Ripper Angelegenheiten auf den neusten Stand gehalten. Nach wenigen Wochen nehmen die Morde zu und nähren sich immer mehr dem Wexford Internat, bis auch dieses zum Schauplatz eines Mordes und Rory zu einer wichtigen Zeugin wird. Die Strukturen von Rorys bisherigem Leben schwanken und verändern sich und schon bald macht Rory Entdeckungen, die sie lieber nicht gemacht hätte und muss um ihr Leben fürchten.









Der zufällige Satz...   
Seite 315 Zeile 10 (kann variieren, denn ich nehme nur ganze Sätze)
 

„Auch Scotland Yard würde vor Ort sein, und angeblich sogar der Geheimdienst MI5.“
 

Seite 315 Zeile 10 bis Seite 315 Zeile 12







Meinung

Die Schatten von London beginnen im mit einer Leiche, Überwachungskameras und einer Überraschung für mich. Im Vorfeld bin ich immer davon ausgegangen Die Schatten von London sind von der Zeitlinie um 1888 angesetzt, wegen Jack the Ripper, umso überraschter bin ich gewesen, als ich endlich begriffen hatte, die Handlungszeit ist, unsere Zeit.

Das Buch lässt sich von der ersten Seite gut und flüssig lesen, dadurch das nicht lange Zeit vergeht, bis die erste tote Frau gefunden wird, war ich sofort von der Handlung gefesselt und wollte wissen wie es weiter geht.

Im zweiten Kapitel wird Rory vorgestellt und die Erzählperspektive wechselt zur Ich-Erzählerin. Da Rory selbst noch nie in England gewesen ist und mit der englischen Kultur vertraut ist, wird viel von dem was sie erlebt und was neu ist, ausführlich erklärt und das hat mir gefallen, da ich hier auch einige Dinge lernen konnte.

"England und Großbritanien und das Vereinigte Königreich sind nicht (!) ein und dasselbe. England ist nämlich "nur" ein Landesteil von Großbritanien, so wie Schottland und Wales. Großbritanien wiederum ist der Name für die ganze Insel, also für England, Schottland und Wales zusammen. Das Vereinigte Königreich ist die offizielle Bezeichnung für die gemeinsame politische Einheit von England, Schottland, Wales und Nordirland." - Seite 90 Zeile 27 bis Seite 91 Zeile 7

Rorys Schulalltag liest sich wie viele Internatsgeschichten, die ich in meiner Kindheit gelesen habe, nur das Rory freiwillig im Internat ist und sich nicht erst quer stellt, bevor sie Freunde findet und die Schule als großartig empfindet. In Jazza findet Rory ihre neue beste Freundin und wird von ihr oft unterstützt. Sich an das ungewohnte Schulleben zu gewöhnen. Der Unterricht ist um vieles schwerer, als es Rory von Zuhause kennt. In der Schule ist sie als Amerikanerin eine Exotin und unterhält ihre Mitschüler beim gemeinsamen Essen mit Geschichten ihrer schrulligen Verwandschaft. Rory ist ein normales Mädchen, das es im echten Leben auch gibt. Es fällt ihr nicht schwer neue Menschen kennen zu lernen, sie ist aber auch nicht übermäßig selbstbewusst oder eben total verschüchtert. Sie ist angenehm normal und handelt und agiert ebenfalls normal. Manchmal machen die Protagonisten aus Lesersicht wirklich unüberlegte Dinge, das ist bei Rory nicht der Fall. Jazza hat etwas von einer vornehmen englischen jungen Lady sie ist etwas zurückhaltend und höflich. Rory und Jazza sind gute Freundinnen, die sich ergänzen. In einer typischen Schulgeschichte darf neben der Konkurrentin auch der heimliche Schwarm nicht fehlen. Die Schulsprecherin Charlotte übernimmt die Rolle des konkurrierenden kleinen Giftzwerges und Jerome ist der anhimmelwürdige Junge.

Die aufkommenden Gefühle zwischen Rory und Jerome passen gut zueinander und die Handlung, jedenfalls für den gesamten Teil, in dr sich die Geschichte noch mehr um den Schulalltag dreht. Jerome gilt als Jack the Ripper Experte an der Schule, er weiß fast alles über ihn und er hält Rory und Jazza auf den neusten Stand der Morde und deren Ermittlungen.

So gelingt es der Autorin Maureen Johnson die Fakten und Informationen über Jack the Ripper in die Geschichte einzuweben und zu verknüpfen. Ihre Recherchen hierzu haben mich beeindruckt und nie kam es mir beim Lesen vor, von den Informationen erschlagen zu werden oder das sie nur runter gerasselt werden.

Neben Rorys Ich-Perspektive wechselt die Sicht gelegentlich nach "Draußen". Das heißt ausserhalb der Schule wird durch andere Figuren, die in direktem Bezug zu dem aktuellen Jack the Ripper geschehen gewechselt und so die Handlung vorangetrieben. Bis Rorys beschauliches Schuldasein mit der grauenvollen Realität kollidiert und ihr Leben durcheinander bringt. Mit einem Mal wird Rory zur Zeugin in einem Mordfall und ihr Leben ist gefährdet.

Dieser Bruch erhöht die Spannung noch mehr, denn Rory ist nun mittendrin und die Seiten werden atemlos verschlungen. Der Bruch ist für mich aber auch Grund zum Bedauern gewesen, denn Rorys Leben ändert sich in eine Richtung, in der es schwer wird ihre Freundschaft mit Jazza aufrecht so halten, denn sie kann ihr nicht die ganze Wahrheit erzählen, um sie zu schützen. Das fand ich schade, da mir Jazza ans Herz gewachsen ist. Auch die Beziehung mit Jerome hat es schwer und es ist fraglich ob die beiden am Ende von Die Schatten von London noch genau so gut wie am Anfang zusammen passen.

"Aber Jack the Ripper war praktisch das Original. Er trieb sein Unwesen zu einer Zeit, als der Polizeiapparat gerade erst im Aufbau begriffen war und die Psychologie noch in den Kinderschuhen steckte. Die Menschen konnten es irgendwie nachvollziehen, wenn jemand aus Hass, Eifersucht oder Habgier tötete. Aber scheinbar grundlos arme, hilflose Frauen zu ermorden und in Stücke zu schneiden, war für damalige Verhältnisse einfach unfassbar. - Seite 277 Zeile 3 bis Seite 277 Zeile 10

Jack the Ripper ist ein Phänomen, dass die Leute bis heute anzieht. Er ist nicht der erste Mörder in der Geschichte der Menschheit, aber wohl der erste Serienkiller der Neuzeit so jedenfalls sieht es auch Jerome im Buch. Jack the Ripper wurde bereits in seiner Zeit durch die Medien gehypt, die über ihn berichteten und ihm auch erst den Namen Jack the Ripper gaben. Bis heute ist nicht zweifelsfrei geklärt worden, wer er wirklich war.  Das ist einer der Gründe warum die Morde in London eine starke Anziehung auf die Menschen hat, dass sie in ihrer Sensationsgier Führungen zu den Tatorten von damals und heute veranstalten, Jack the Ripper Partys schmeißen und Merchandise Produkte verkaufen. Im Buch hat das Menschenleben gekostet und das wirklich schlimme daran ist, so wie sich die Menschen dort Verhalten mit ihren Partys und Führungen für einen Serienmörder, so könnten sie sich auch im echten Leben verhalten.

Fazit

Jack the Ripper hat bis heute nichts von seiner grauenvollen Faszination verloren und so ist er eine Garantie für spannungsgeladene Bücher. Auch in Die Schatten von London funktioniert das gut, denn es ist spannend und unterhaltsam schon alleine wegen den sympathischen Charakteren. Die Schatten von London ist ein gelungener Fantasy-Krimi Mix und ich freue mich schon auf den zweiten Teil.



Mit diesem Buch nehme ich an folgenden Challenges teil


Challenge der Gegensätze: Biancas lila Seite - Eine Frau auf dem Cover


Die Schatten von London Reihe im Überblick

0. Boy in the Smoke - Vorgeschichte von Stephen, bisher nur auf Englisch erschienen
1. Die Schatten von London - meine Rezension
2. Die Schatten von London - in Memoriam - erscheint im 06/2015
3. The Schadow Cabinet - bisher nur auf Englisch erschienen
  


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