Montag, 29. Dezember 2014

Schatten der Gegenwart von Maria Norda

© Cover- und Zitatrechte: Maria Norda
Startseite von Maria Norda

Inhalt


Emilia ist glücklich mit ihrer großen Liebe Robert verheiratet. In ihrem Job, in einer Werbeagentur, läuft es immer besser für sie. Mit Köpfchen und Charme meistert sie dort so einige Hindernisse und behauptet sich erfolgreich gegenüber ältere aufgeblassene Kollegen. Eigentlich eine gute Grundlage für einen romantischen heiteren Roman über Emilia und ihr Leben, doch Schatten der Gegenwart thematisiert nicht nur die große Liebe gefühlvoll, sondern auch die Trauer und den Verlust des geliebten Menschen eindringlich.


Emilias heile Welt wird von einer auf die nächste Sekunde, durch die Nachricht von Roberts Tod erschüttert. Sie verliert mit Robert ihren wichtigsten Halt und sie verliert sich in der Trauer und den Schmerz. Emilia isst kaum noch, schlafen kann sie eh nicht. Alles in der Wohnung erinnert sie an Robert. Sein Geruch haftet noch zwischen den Laken. Die Kuhle auf der Couch kennzeichnet seinen Lieblingsplatz. Langsam verwelken nur die Blumen aus dem Strauß, den Robert ihr schenkte, einige Stunden bevor er starb. Nur die Worte auf der Karte darin bleiben für immer erhalten:

"Kann heute spät werden, aber ich liebe dich!"

Das einzige was Emilia ablenkt und ihr ein Stück Normalität vermittelt ist ihre Arbeit. Sie nimmt sich keine Zeit zur Ruhe zu kommen, sondern stürzt sich sofort wieder in ihre Aufgabe, mit Erfolg für das gesamte Unternehmen. Herr Merckel, ihr Chef, schätzt Emilias Leistung sehr, aber er sieht in ihr auch seinen persönlichen Schützling und ist ehrlich besorgt um Emilias gesundheitlicher Verfassung, ebenso wie es ihre besten Freunde Alexander und Jessica sind. Jeder der Drei versucht Emilia davon zu überzeugen, sich eine Auszeit zu nehmen, leider vergeblich. Denn dieWerbeagentur benötigt Emilias Talent dringend, da sie sonst mehr und mehr rote Zahlen schreiben. Alexander ist der Meinung eine Selbsthilfegruppe von Menschen, die ebenfalls den Tod von Angehörigen zu verarbeiten haben, könnte das Richtige für Emilia sein. Emilia weiß um die Bemühungen ihrer Freunde und gibt sich Mühe, das beste daraus zu machen, aber in der Selbsthilfegruppe fühlt sie sich fehl am Platz. Jessicas Vorschlag sich einmal vom Friseur ihres Vertrauens verwöhnen zu lassen, klingt da schon eher nach einem guten Plan. Nur das sich Emilia so ganz und gar nicht mit Jessicas Absichten, eine neue Frisur bringt eine neue Liebe, anfreunden kann. Robert war schließlich der Richtige Prinz unter allen Rittern und bestimmt wird sie sich nicht, wenige Wochen nach seinem Tod, in die nächstbesten Arme eines anderen Mannes stürzen. Aber eine neue Frisur, das hat etwas an sich. Allmählich kommt Emilia aus ihrem Schneckenhaus hervor und nimmt das Leben wieder auf. Kurz nach ihrem Besuch bei Jessicas überdrehten fröhlichen Friseur bereut sie jedoch ihren Kurzhaarschnitt und ein Blick in den Spiegel bestätigt ihr das nur. Doch plötzlich sieht sie im Spiegel eine Person stehen, die eigentlich nicht dort stehen darf...Es ist Robert...





Der zufällige Satz...   
Seite 15 Zeile 19 (kann variieren, denn ich nehme nur ganze Sätze)
 

„Mein Kopf war tief über den Strauß gebeugt, um den Duft in mir aufzusaugen, als es geklingelt hatte.“
Seite 15 Zeile 18 bis Seite 15 Zeile 20




Meinung

Schatten der Gegenwart hat etwas mit Nachricht von Sam gemeinsam: Eine große Liebe, viel Gefühl, eine ergreifende Trauer und der Liebste der scheinbar wieder auftaucht. Doch eines ist Robert nicht, ein Geist, er ist auch kein Vampir, er ist etwas von dem ich bisher noch nichts in einem Roman gelesen habe und das ist das Besondere an diesem Roman.

Schatten der Gegenwart lässt sich in drei Abschnitten gliedern, der erste gehört Emilia und wird aus ihrer Sicht beschrieben. Gleich zu Beginn findet Emilia sich in der Leichenhalle wieder und muss den Toten als ihren Ehemann bestätigen. Maria Norda gelingt es so gut, Emilias Gedanken und Gefühle in diesem Augenblick aufs Papier zu bringen, dass sie mich damit sofort hatte und ich benommen und ebenfalls traurig war und sie weckte bestimmte Ängste in mir.

Mit der Zeit gewöhnte ich mich an diesen ergreifenden Ton und mir fiel auf das sich Emilia oft in Wiederholungen darüber verlor, wie sehr sie Robert liebt und das sie jetzt alleine ist. Weiter schlimm ist es nicht, denn es passt zu Emilias Geschichte und es ist meine ungeduldige Lesernatur, die mich antreibt wissen zu wollen wie es weiter geht, so das ich diese Passagen schnell überflog. Ich wollte wissen, wann kommt es zu dem angekündigten rätselhaften Wiedersehen der Beiden, doch das lässt eine Weile auf sich warten.

Emilia lebt in Leipzig und die Handlung spielt in etwa in der aktuellen Zeit, in der wir auch leben. Mich in ihrer Welt zu bewegen, fiel mir daher leicht, ich brauchte keine großen Erklärungen um mich zu recht zu finden. Ca. in der Mitte lies mich Emilia in ihre Vergangenheit blicken, erzählte von gemeinsamen Momenten mit Robert. Gerade an der Stelle, an der Robert wieder aktiv auftaucht, hat mich dieser Zeitsprung etwas verwirrt, da ich nicht wusste, ob es jetzt Vergangenheit oder Gegenwart ist, am Ende des Kapitels löste sich der Knoten wieder.

Emilia lernte ich  gut kennen, sie ist eine warmherzige liebevolle und starke Frau, die mit jeder Faser ihrer Seele liebt und auch leidet, aber sie kommt nicht auf den Gedanken, ihre Freunde um Hilfe zu bitten oder in der Öffentlichkeit heulend und klagend zusammen zu brechen. Nach Außen hin, mimt sie die Starke und die verzweifelten Momente hebt sie sich für ihre eigenen Vier Wände auf oder für mich, als Leserin. Auf den ersten Blick mag es merkwürdig erscheinen, dass sie sich sofort in Arbeit stürzt, anstatt sich krank schreiben zu lassen und sich zu Hause zu bleiben. Es passt zu Emilias starkem professionellen Persönlichkeit, außerdem gibt es ihr Halt zu arbeiten und es gab mir auch ein paar Momente in denen ich nicht an ihrem Verlust und der Trauer erinnert wurde. Emilia hat liebe Kollegen, die sich um sie Sorgen und einen bestimmten Kollegen, der sich so feinfühlig agiert, wie ein Elefant im Porzellan Laden. Der Schlagabtausch zwischen Emilia und diesem Herrn tollen Kollegen sorgt aber für Entspannung und schmunzelnde Mundwinkel.

Neben Emilias Arbeitsleben, wären da noch ihre besten Freunde. Alexander, ein Arbeitskollege von Emilia möchte ihr von Anfang an nur helfen, behandelt Emilia aber leider wie ein rohes Ei und muss einiges von Emilia einstecken, da sie nicht als hilflos betrachtet werden möchte. Ihre Reaktion kann ich gut verstehen, aber doch war ich der Meinung, dass sie etwas zu hart gegenüber Alexander war.

Jessica, ihre beste Freundin aus Kindertagen, ist das genaue Gegenteil von Alexander ihrer Meinung nach, sind die vergangenen Wochen der Trauer genug. Robert ist tot. Daran ist nun nichts mehr zu ändern, es ist Zeit nach vorne zu blicken. Jessica hat durch aus Recht, doch wie sie ihre Ansichten rausschmettert war mir zu grob.

Emilia tut dieser Mix ihrer beiden Freunde gut und allmählich geht es ihr besser. Mittlerweile hatte ich Robert schon längst vergessen, jedenfalls das er scheinbar irgendwie noch einmal in Aktion tritt, denn Emilia erlebt einige Dinge wie der Besuch der Selbsthilfegruppe oder das Roberts Mutter auf der Beerdigung als Charakter vorgestellt wird, doch diese Dinge verlaufen im Sande so das man im ersten Abschnitt irgendwann dazu übergeht ein gemütlicher Begleiter von Emilia zu werden.

Bis zu der Szene im Badezimmer, als Robert plötzlich auftaucht. Er scheint einerseits real und dann wieder nur für Emilia zu existieren. Natürlich ist sie überrascht ihn zu "sehen" und fragt ihn auch wie das möglich sei, doch eine konkrete Antwort erhält sie nicht von ihm, nur das sie ihn das nicht fragen soll.

Gesagt getan, sie ist überhaupt nicht neugierig nur zufrieden ihn wieder bei sich zu haben. Nur ich habe mich ständig gefragt, wie er wieder da sein kann. Emilia genießt ihre neue gewonnene Zeit und sie blüht mehr und mehr auf. Aus heiterem Himmel zerstört Robert dieses Glück wieder, in dem er ihr sagt, er müsse sie nun für Immer verlassen und dieses für immer hat es in sich. Emilia stürzt in ein tiefes Loch der Verzweiflung, das es vom Gefühl her, alles am Anfang geschehene toppt.

Damit ist der erste Abschnitt zu Ende und ein neuer beginnt. Die Geschichte geht nahtlos von Emilia zu Robert über. Natürlich bilden sich im Ende des ersten Abschnittes Fragen: Wer ist Robert? Was vor allem ist er? Wo kommt er her? Wo geht er hin? Wer Robert ist habe ich schon vorher erfahren, er ist der liebende Ehemann Emilias. Er betrachtet all ihre Tollpatsch Aktionen, stets mit einem verschmitzten Lächeln, er ist ihre starke Schulter. Bei ihm darf sie schwach und hilflos sein, er beschützt sie. In seinem Kapitel ist er der Ich-Erzähler und endlich kommt ein kleiner Lichtschein in das Mysterium hinein. Es wird erklärt was er macht und wie er dazu gekommen ist und vor allem was er ist.

Der gesamte Robert Teil war mein Lieblingsabschnitt, denn Robert zeigt sich von einer anderen Seite. Nach und nach wird ihm bewusst, dass er sich von seinem alten "Leben" trennen muss, insbesondere von Emilia um sich seinen neuen Pflichten zu widmen. Das ist nicht leicht für ihn, denn er liebt Emilia sehr. Er ist nicht der Einzige seiner "Art" und lebt nun in einer neuen Gruppe, die ihn als Familienmitglied betrachten. Dieser Gruppe steht Richard vor, er ist ihr Leiter und Mentor. Zwischen Robert und Richard gibt es oft Diskussionen, da Robert ihm nicht uneingeschränkt vertraut. Das ist gut, das zeigt eine rebellische kämpferische Seite von Robert, die er bei Emilia nicht hatte. Diese Seite gibt ihm Ecken und Kanten. Maria Norda bringt die dunkle abscheuliche Seite der Menschen in diesem Abschnitt sehr gut rüber.

Roberts Part endet ebenfalls mit einem Cliffhänger, der nach mehr schreit, doch es gibt kein mehr, denn der nächste Abschnitt beschäftigt sich wieder mit Emilia. Dieses Mal beginnt ihre Geschichte dort, wo Robert sie nochmals verlassen hat.

Wie bereits erwähnt, hat es dieses Verlassen in sich und ist viel schlimmer als beim ersten Mal. Zwischenzeitlich fand ich Robert grausam dabei. Aber es ist wie es ist. Kaum vorstellbar, dass sich Emilia aus dieser Lage wieder raus arbeitet. Emilias Vergangenheit wird in diesem Teil beleuchtet. Neue Charaktere tauchen auf, unter anderem Michael ihr bester Freund aus Kindheitstagen. Michael ist kein unsympathischer Charakter, alles was er tut passt zu ihm und ist nach vollziehbar, jedenfalls bis zu einer bestimmten Situation. Ich wünschte Emilia auch Ruhe und Frieden, aber gegen Ende des Buches und diesem Abschnitt schwächelt Schatten der Gegenwart, da ich nicht nachvollziehen kann wie sich Emilia Hals über Kopf in dieses neue Abenteuer stürzen kann. Robert hat einiges dazu beigetragen und es ist auch irgendwo nachvollziehbar, aber doch war mir der Sinneswandel, den Emilia gegen Ende erlebt zu früh. Es passte nicht zu ihr. Auch gegen Ende baut sich noch einmal Spannung auf und schließt mit einem offenen Abschluss ab.

Fazit

 Mir hat Schatten der Gegenwart gut gefallen, die beklemmende Stimmung am Anfang war etwas schwer für mich zu ertragen, aber auch nur weil ich mich gerade in negative Gefühle am Besten rein versetzen kann und meine Gedanken, sich dann vorstellen, wie ich mich wohl in ihrer Situation anstellen würde. Keine Ahnung, ob ich die Stärke hätte, daran nicht zu zerbrechen. Emilia hat sie auf jeden Fall. Sie und Robert bestimmen die Handlung und sie beide ergaben ein detailliertes Bild. Emilias Freunde signalisierten vor allem, das sich das Rad des Lebens weiterdreht und nicht stehen bleibt, weil es einen Todesfall gab. Jede der Abschnitte wurde von einem schönen und gut zur nachfolgenden Handlung passenden Zitat eingeleitet. Diese Zitate mochte ich sehr. Gegen Ende ging mir Emilias Entwicklung zu schnell, es passte nicht zu ihr, aber das endgültige Ende scheint das alles noch einmal über den Haufen zu werfen.

Die Thema von Trauer, Liebe, Verzweiflung und Hoffnung wurde gut umgesetzt und herausgearbeitet.

Sobald der zweite Teil der Für Immer & Länger Trilogie erscheint, werde ich ihn lesen, denn nach diesem Ende muss ich einfach wissen, wie es mit Emilia, Robert und Michael weiter geht.

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© Coverrechte: liegen bei den einzelnen Verlagen und/oder Autoren
© Cindy Raschdorff kumosbuchwolke.blogspot.de

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