Montag, 9. Juni 2014

Glasgow Rain von Martina Riemer

© Cover- und Zitatrechte: Martina Riemer
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Inhalt

Endlich bricht für Vic das letzte Highschool Jahr an und sie kann es kaum erwartenm die lästige Schuluniform einzumotten. Doch es beginnt anders als gedacht. Sie trifft immer wieder auf Rafael, einen mysteriösen Schüler, der plötzlich überall auftaucht. Trotzdem schafft er es, sich nicht nur in ihr Leben zu schleichen, sondern auch in ihr Herz… - Auszüge vom Klappentext



Der zufällige Satz...   

Seite 99 Zeile 22 (kann variieren, denn ich nehme nur ganze Sätze)
 

„Da ich nicht wusste, wo ich sonst hin sollte und mich lieber unter Menschenmassen mischen wollte, als in mein leeres Zimmer zurückzukehren, fuhr ich in das Shoppingcenter 'Princess Square', direkt im Herzen der Stadt.“
 

Seite 99 Zeile 22 bis Seite 99 Zeile 25








Meinung

Rafael ist nicht unbedingt ein Unbekannter für Victoria, sondern der Sohn der Haushälterin ihres Vaters. In einem Punkt stimmt die Angabe, Victoria und Rafael kennen sich nicht wirklich, da es ihnen aufgrund des unterschiedlichen Standes in der Kindheit verboten war, miteinander zu spielen.


Victoria besitzt alles was man sich mit Geld kaufen kann, nur die Liebe und Aufmerksamkeit ihres Vaters nicht. Mit dem Tod ihrer Mutter starb auch ihre Fähigkeit sich bedingungslos auf andere Menschen einzulassen. Sie lernte schnell stark zu sein und sich keine Schwäche anmerken lassen und das im Alter von 7 Jahren. Ich denke das sie am liebsten Vic statt Victoria genannt wird, zeugt von ihrem Wunsch nach Stärke und Selbstbewusstsein. Ihre Gefühle und Ängste vergräbt sie hinter einer Mauer. Doch es gibt viele Momente in denen sie doch durchblitzen. So ist Vic sehr feinfühlig und poetisch wie es ihre Mutter einst war. Außerdem fährt sie schnell aus der Haut, wenn es um ihren Vater geht, denn wenn er mal anwesend ist, dann streiten sie sich nur. Vic versteht es absolut nicht warum ihr Vater ihr keine Liebe entgegen bringt und ich auch nicht. Vom berührenden Prolog ausgehend, dachte ich er hätte den Tod seiner geliebten Frau noch immer nicht überwunden. Aber ist es ein Grund seiner Tochter nicht beizustehen? Ich denke nicht. Trotzdem verhielt er sich oft unglaublich verletzend, aber ich glaubte an ihn und ihn endlich als Vater zu sehen, stachelte mich an weiterzulesen. Hier zeigt sich auch das Vic nicht alle Menschen aus ihrem Herzen ausgesperrt hat. Bis zur letzten Sekunde glaubt sie noch an ihrem Vater.


Rafael kann man gut als gegensätzliches Spiegelbild zu Vic verstehen. Bei ihm ist der Vater gestorben und er lebt mit seiner Mutter in einem kleinen Häuschen, sie leben nur von dwm Geld das beide verdienen. Rafaels Mutter ist eine sehr liebevolle warmherzige Frau und Rafael kann sich auf sie verlassen. Außerdem ist Rafael aufgeschlossener und vertraut den Menschen schneller als Vic.


In Glasgow Rain werden scheinbar gerne Gegensätze gegenüber gestellt, denn Vic hat zwei sehr gute Freunde. Das Zwillingspärchen Aimee und Stew. Stew ist locker und hat immer einen lustigen Spruch auf den Lippen. Rafael vertraut er sofort, während seine Schwester Aimee ihn skeptisch beäugt. Aimee erfährt in ihrer Kindheit einen Seitensprung ihres Vaters, weshalb sie nun Schwierigkeiten hat Männer zu vertrauen. Etwas Schade, da ja nicht alle Männer fremdgehen würden und auch ihre Eltern haben diese Krise überstanden.


Die guten Männer haben in Glasgow Rain den vertrauensvollen aufmunteren Part bekommen, während die Mädels emotionale Schwierigkeiten hegen.


Die schwierigen Männer zeichnen sich stark durch ein egoistisches, lautes und besitzergreifendes Wesen aus. Cailean Vics Exfreund denkt er kann sich alles erlauben, weil seine Familie reich ist und was Vic möchte, interessiert ihn nicht, in seinen Augen sind die beiden noch immer für einander geschaffen. Was Konflikte erzeugt.

Interessant an Vics Vater finde ich seinen Namen. Alistair. Der klingt schon imposant und mächtig und passt daher perfekt zu dieser Figur.

„Rafael kannte jetzt nicht nur meine innersten Gedanken, sondern sah mich nun auch so, wie ich mich selbst seit Jahren nicht mehr gesehen hatte: mit Tränen.“ - Seite 125


Die Liebesbeziehung von Vic und Rafael beginnt unspektakulär mit den typischen Zickereien und Wortgefechten. Diese anfänglichen Dialoge waren für meinen Geschmack ein wenig zu platt, aber das legte sich mit der Zeit. Besonders gefiel mir hier, dass ihre Beziehung, wenn auch ungewollt, etwas Zeit für das Highlight ließ. Auch haben die beiden einige Hindernisse zu überwinden. Vorurteile, verschiedene soziale Schichten und einen wütenden besitzergreifenden Exfreund. Schließlich ist Rafael der Sohn der Haushälterin, aber sein Wunsch einmal Arzt und sein aufrichtiges Bestreben, dieses Ziel zu erreichen, sollte eigentlich ein Pluspunkt bei einem reichen Vater sein. Ich finde, dass sich Vic mehr durch die Beziehung zu Rafael verändert und sich öffnet, als Rafael. Er bleibt nahezu gleich perfekt.

Obwohl die Konflikte in der Liebe der beiden schon genügend Material bietet, gibt es in Glasgow Rain noch Verbrechen, Drohungen und dunkle Geheimnisse. Bei den Verbrechen bin ich noch mitgegangen, auch wenn ich den Eindruck hatte, sie kommen nur am Rande der eigentlichen Handlung vor. Im mystischen geheimnisvollen Part bin ich abgedriftet, Hinweise werden zwar gut ausgestreut, im Nachhinein betrachtet, aber es war für mich zu weit hergeholt. Anfänglich fand ich es noch spannend aber je näher ich dem Ende kam, waren einige Dinge für mich vorhersehbar und leider dann auch zu schnell und einfach abgehandelt. Ein anderer Punkt ist das Rafael in einer Szene wie ein wahrer Alleskönner rüberkommt. Ja, er möchte Arzt werden und hat dafür auch schon einige Versuche an Tierkadavern unternommen, soweit gehe ich ja noch mit, aber in dieser einen Szene, was er da macht, war für mich einfach nicht realistisch. Hier wäre es praktisch gewesen, nicht Vic als Erzählerin zu haben, sondern Rafael. Dann hätten mich seine Gedanken, sofern da Sorge und Angst darin gewesen wären, vielleicht überzeugt. Zum Schluss waren auch die Dialoge wieder platter. Vics Exfreund Cailean gehört wirklich nicht zur lieben Sorte, trotzdem lässt er sich von einer auf die nächste Sekunde von Vic überzeugen, dass er ihr Held ist und plaudert munter trottelig aus dem Nähkästchen. Irgendwie war das auch wieder lustig, aber das es so einfach ging?


Mir hat Tante Shona, die Schwester von Vics Mama gut gefallen, leider lief sie nur am Rande mit, dabei hätte man durch sie auch ein anderes Bild von Vics Eltern bekommen können


Fazit



In einigen Textpassagen, wirkten die Dialoge aufgesetzt. In anderen Situationen verhielten sich die Charaktere nicht glaubwürdig und die Auflösung ging mir definitiv zu schnell und einfach. Einige dieser Punkte hätten im Vorfeld schon mehr eingebunden werden können. Diese Kritikpunkte wirkten eher wie kleine Stolpersteine beim Lesen. Besonders gut gefiel mir das Cover (war übrigens der Grund, weshalb ich ein Taschenbuchformat kaufte), Vics eigenes Lesezimmer und die Zitate am Kapitelanfang. Mit Glasgow Rain hatte ich einige schöne Stunden und es steckt auf jeden Fall Potential darin. Überrascht war ich von dem ungewöhnlichen großen Taschenbuch-Format.



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© Coverrechte: liegen bei den einzelnen Verlagen und/oder Autoren
© Cindy Raschdorff kumosbuchwolke.blogspot.de

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