Sonntag, 13. April 2014

Dornenherz Jedem Ende wohnt ein Anfang inne von Jutta Wilke

© Cover- und Zitatrechte: Coppenrath
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Inhalt

„Heute vor einem Jahr habe ich gelernt, dass man sterben kann, ohne tot zu sein. Obwohl ich in sicherer Entfernung stand, das offene Grab nur von Weitem sah, fühlte ich, wie die feuchte Erde mich nach und nach einhüllte. Wie ich nach und nach unter ihr verwand und mit mir meine Träume, meine Sehnsüchte, meine Wünsche.

Heute vor einem Jahr haben sie meine Schwester begraben und mich gleich dazu.“ - Klappentext










Der zufällige Satz...   

Seite 59 Zeile 17 (kann variieren, denn ich nehme nur ganze Sätze)
 

„Bestürzt stelle ich fest, dass ich ihn eigentlich überhaupt nicht treffen will.“
 

Seite 59 Zeile 17 bis Seite 59 Zeile 18




Meinung

Mit dieser Einleitung beginnt Anna ihre Geschichte und das traf mich mit einer Wucht. Ohne Umschweife wird der Leser mit der Tatsache konfrontiert, dass Ruth, Annas Schwester gestorben ist. Eine beklemmende, bedrückende, emotionale Stimmung baut sich damit auf. Besonders gut unterstützt wird diese Stimmung durch die kurzen Sätze, mit denen das Buch geschrieben ist.

Anna erzählt wie ihr Leben und dass ihrer Eltern nach dem Tod von Ruth weitergeht. Dabei wird schnell deutlich, dass es kein angenehmes Leben ist und dass gerade Anna von Schuldgefühlen zerfressen ist. Sie setzt alles daran ihre Schwester zu ersetzen, was zur Folge hat, dass sie selten auf ihr Herz hört und dabei einfach das Wesentliche vollkommen aus den Augen lässt. Nämlich sich selbst.

Dass sie ihren Eltern die Tochter ersetzen möchte, ist eine Sache die ich vollkommen nach empfinden kann, aber dass sie auch Ruths Freund Leon die Freundin ersetzen mag, ist mir etwas befremdlich. Zeigt aber ganz deutlich die Verzweiflung, die Anna mit sich herum trägt. Ein Jahr nach der Beerdigung ihrer Schwester lernt sie den jungen Friedhofsgärtner Phil kennen und fühlt sich zu ihm hingezogen. Anna ist hin und hergerissen zwischen Pflichtbewusstsein Leon gegenüber und ihren eigenen Gefühlen.

Aufgrund dessen, das die Grundthematik von Dornenherz der Verlust eines geliebten Menschen und Trauer ist, kann ich Anna nicht objektiv beurteilen. Zu oft schwankte ich, zwischen Verständnis und entnervtes Augenrollen. Für meinen Geschmack ließ sich Anna oft in Selbstmitleid und Melancholie fallen. Zu oft betonte sie, sie wolle eine Sache ja eigentlich, aber es wäre nicht richtig wenn sie egoistisch wäre, da dies falsch sei, und ließ es dann auch bleiben. Dieses Hin und Her kam manchmal mehrmals hintereinander und genau das, brachte mich dazu entnervt mit den Augen zu rollen. Es gelang mir nicht, eine tiefe Bindung zu Anna herzustellen. Mit den anderen Figuren war es das gleiche, sie waren zwar da, aber sie haben mich nur auf halber Strecke abgeholt.
Auch wenn an einigen Stellen viele Wiederholungen auftauchten ließ sich Dornenherz schnell und einfach lesen. Anfänglich hielt ich die Geschichte für vorhersehbar, ein klein wenig ist sie das auch, aber das Ende hat mich dann doch positiv überrascht und ich kann damit gut leben.

Fazit

Der Tod eines geliebten Menschen ist kein einfaches Thema, dennoch hat es Dornenherz geschafft, das es nicht schwer auf mir lastete und ich habe auch nicht so sehr mit Anna gelitten, das mir die Tränen kamen, dennoch hat es mich auf eine sanfte melancholische Art berührt und umgeben. Die wunderschöne und aufwendige Gestaltung des Umschlages und des Buches wurden meiner Meinung nach auch wunderbar in die Handlung transportiert. Poetisch und künstlerisch. Die Charaktere haben mich zwar nicht sehr tief berührt. Trotzdem hatte ich einen guten Lesegenuss für ein paar Stunden. Hin und weg bin ich noch immer von der Gestaltung, die sollte man sich ruhig etwas genauer anschauen.



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